Die Turbulenzen rund um die gesperrte Straße von Hormuz wirbeln die globalen Energiemärkte durcheinander – und bescheren Moskau unverhoffte Einnahmen. Raffinerien weltweit suchen nach Ersatz für ausgefallene Liefermengen und greifen dabei vermehrt auf russisches Öl zurück. Besonders brisant: Washington hat im Zuge des Iran-Konflikts die Sanktionen gegen russisches Öl gelockert und damit Märkte wieder geöffnet, die seit Beginn des Ukraine-Kriegs für Moskau verschlossen waren. Das Ergebnis – in den vier Wochen bis zum 3. Mai stiegen die russischen Rohöllieferungen auf 3,66 Millionen Barrel pro Tag, den höchsten Stand seit Dezember. Die Financial Post berichtete.

Indien kauft so viel russisches Öl wie nie

Besonders auffällig ist der Anstieg der Lieferungen nach Indien. Im vergangenen Monat bezog das Land durchschnittlich rund 1,5 Millionen Barrel russisches Rohöl pro Tag – etwa anderthalb Mal so viel wie noch im Februar. Eine Rekordzahl von 13 Ladungen der russischen Exportsorte ESPO ging allein im April nach Indien, verglichen mit nur drei Ladungen im Februar. Auch Japan nahm wieder russisches Rohöl ab – erst zum vierten Mal seit dem drastischen Rückgang der Importe nach Beginn des Ukraine-Kriegs 2022. Vor der Invasion hatten japanische Raffinerien noch vier bis fünf Ladungen pro Monat abgenommen.

Drohnenangriffe bremsen – aber nur kurz

Ukrainische Drohnenangriffe auf russische Exporthäfen in Primorsk, Ust-Luga und Noworossijsk hatten Ende März und Anfang April die Liefermengen vorübergehend stark reduziert. Dank Reparaturarbeiten konnten die Exporte jedoch rasch wieder aufgenommen werden – obwohl mehrere Lagertanks zerstört wurden. Ein erneuter Angriff auf Primorsk am Sonntag könnte die Aktivitäten in der kommenden Woche erneut beeinträchtigen. Höhere Lieferungen aus dem arktischen Hafen Murmansk glichen einen Teil der Ausfälle in der Zwischenzeit aus.