Der 104. Deutsche Katholikentag findet heuer in Würzburg statt. Vom 13. bis 17. Mai treffen sich dort Gläubige, kirchliche Gruppen, Verbände und Initiativen. Es gibt Gottesdienste, Diskussionen, politische Debatten, Kulturprogramm – und eine große Kirchenmeile.

Dort findet sich auch eine Gruppe, die man zwischen Rosenkranz, Caritas und Bibelstand eher nicht vermutet hätte: der „Ökumenische Arbeitskreis BDSM und Christsein“. Nach eigenen Angaben ist der Arbeitskreis vom 14. bis 16. Mai mit der Standnummer MW-R-07 in Würzburg vertreten.

„Von ganzem Herzen Christin – und BDSMlerin“

Dass es sich nicht um einen einmaligen Ausrutscher handelt, zeigt ein Blick zurück. Bereits 2025 berichtete die Evangelische Zeitung über den Arbeitskreis beim Kirchentag – unter der Überschrift: „BDSM und Bondage – auch das gehört zur Kirche“.

Darin erklärte eine Vertreterin des Arbeitskreises: Sie sei „von ganzem Herzen Christin, aber eben auch von ganzem Herzen BDSMlerin“. Der Artikel beschrieb auch das Umfeld: Gegenüber standen Schwule und Lesben in der Kirche, daneben das Netzwerk „polyamore Menschen und Kirche“. Eine Vertreterin dieses Netzwerks sagte über ihre Lebensform: „Ich habe einen Mann, der mit dem Kind hier ist und einen Mann, der gerade bei einer Bundeswehrübung ist.“

Man reibt sich die Augen. Aber ja: Das war ein Kirchentag.

Kirchliche Verpackung

Besonders bemerkenswert ist nicht nur, dass solche Gruppen auftreten. Bemerkenswert ist die Sprache, mit der das Ganze religiös aufgeladen wird.

Eine Vertreterin des Polyamorie-Netzwerks sagte laut Evangelischer Zeitung, Gott sei doch „der Inbegriff des Polyamoreusen“, schließlich liebe er alle Menschen. Im Grunde gehe es doch darum, „sich zu lieben und füreinander einzustehen“. Das klingt harmlos – macht aber aus einer sehr konkreten sexuellen und beziehungspraktischen Lebensform durch ein paar weiche Worte plötzlich ein theologisches Anliegen. Etwas Liebe und Fürsorge – fertig ist die kirchliche Verpackung.

Fesseln, Dominanz, Lust an Schmerzen

Auf der Website des Arbeitskreises wird erklärt, was mit BDSM gemeint ist. Es handle sich um eine Sammelbezeichnung. „BD“ steht für „Bondage & Discipline“, also Fesseln und Gefesseltwerden. „DS“ meint „Dominance and Submission“, also ein erotisches Machtgefälle. „SM“ steht für Sadomasochismus – sprich: Lust an Schmerzen und daran, anderen Schmerzen zu bereiten.

Der Arbeitskreis betont den Aspekt der Einvernehmlichkeit. Juristisch ist das entscheidend. Kirchlich und kulturell lässt es aber viele Fragen offen, etwa warum ein katholisches Großereignis dafür einen eigenen Stand auf der Kirchenmeile braucht,

Katholisches Profil?

Das alles erfährt überdies noch eine religiöse Deutung. Eine Vertreterin des Arbeitskreises sagte der Evangelischen Zeitung: „Bei uns geht es um Vertrauen, ums sich Fallenlassen um Demut, ums niederknien – ich sehe da ziemlich viele Parallelen zum christlichen Glauben.“ Sadomasochismus – eine sexuelle Vorliebe – als Ausdruck christlicher Frömmigkeit?

Ebenfalls auf der Kirchenmeile vertreten ist das „Netzwerk katholischer Lesben“. Dieses beschreibt sich selbst als „spirituell unabhängiges, vielfältiges, katholisch und feministisch geprägtes Netzwerk frauenliebender Frauen“.

Wo bleibt da eigentlich das katholische Profil?

Alles wird begleitet – nur die Lehre wirkt störend

Jenen, die der katholischen Lehre folgen, gibt sie Orientierung inmitten aller Trend und gesellschaftlichen Umbrüche.  Heute wirkt es in manchen kirchlichen Milieus anders. Fast jede Lebensform, jede sexuelle Identität, jede Vorliebe kann offenbar theologisch weichgezeichnet werden. Das Ergebnis ist ein Katholizismus, der immer weniger widerspricht – und dadurch immer weniger sagt.

Ein BDSM-Stand auf dem Katholikentag ist deshalb weniger ein Symbol für Weltoffenheit, als für kirchliche Selbstauflösung.