Ein Schubhäftling hat am Donnerstag am Berliner Hauptstadtflughafen für einen massiven Zwischenfall in einer AUA-Maschine nach Wien gesorgt. Der Mann begann in den hinteren Reihen des Airbus A320 zu randalieren. Polizisten, die ihn begleiteten, führten ihn daraufhin aus dem Flugzeug.

Dabei kam es zu einem Gerangel. In der Folge wurde an der Vordertür des Flugzeugs die Notrutsche ausgelöst. Alle Passagiere mussten die Maschine wieder verlassen. Verletzt wurde nach bisherigen Angaben niemand.

Tumult vor dem Start

Eigentlich hätte der Flug bereits um 7.00 Uhr von Berlin nach Wien abheben sollen. Doch der Vorfall legte die Maschine vorerst lahm.

Austrian Airlines bestätigte den Zwischenfall. Eine Sprecherin erklärte laut dpa, der Mann, der abgeschoben werden sollte, habe sich lautstark bemerkbar gemacht. Deshalb sei entschieden worden, ihn wieder aus dem Flugzeug zu holen. Dabei sei es dann zur Aktivierung der Notrutsche gekommen.

BMI: Pakistaner war nur auf der Durchreise

Das Innenministerium in Wien stellte klar, dass Österreich in dem Fall nicht zuständig war. Beim Abgeschobenen handle es sich um einen pakistanischen Staatsangehörigen, der von Deutschland nach Zypern unterwegs gewesen sei. In Wien war demnach nur eine Zwischenlandung vorgesehen.

Laut BMI handelte es sich um eine sogenannte Durchbeförderung. Eine asyl- oder fremdenrechtliche Zuständigkeit österreichischer Behörden habe daher nicht bestanden.

51 Passagiere mussten in Berlin bleiben

Der Vorfall hatte auch direkte Folgen für die übrigen Fluggäste. Weil die Vordertür nach Auslösung der Notrutsche nicht mehr für eine Evakuierung verwendet werden konnte, musste die Zahl der Passagiere reduziert werden.

Nach Angaben der AUA konnten deshalb rund ein Drittel der Fluggäste nicht mitfliegen. Konkret mussten 51 Passagiere in Berlin zurückbleiben. Die Zahl der Reisenden wurde von ursprünglich 161 auf 110 gesenkt. Das sei eine Sicherheitsvorgabe gewesen, hieß es.

Die Maschine sollte schließlich mit rund zweieinhalb Stunden Verspätung in Wien landen. Die beschädigte Notrutsche soll erst dort ausgetauscht werden.

Abschiebungen enden oft nicht planmäßig

Der Fall zeigt auch, wie oft Abschiebungen in Deutschland scheitern oder abgebrochen werden. Im vergangenen Jahr wurden laut einer Antwort der deutschen Regierung auf eine Anfrage mehrerer Linken-Abgeordneter 1.593 Abschiebungen mit Beteiligung der deutschen Bundespolizei abgebrochen.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Genannt werden unter anderem medizinische Notfälle, aktiver oder passiver Widerstand, fehlende Dokumente, Personalmangel, Selbstverletzungen oder Probleme im Zusammenhang mit dem Flug.

Insgesamt wurden 2024 laut den Angaben 22.787 Menschen aus Deutschland abgeschoben. 19.987 davon auf dem Luftweg.