Der ORF ist ein sinkendes Schiff – so das verbreitete Bild. Trotzdem, oder gerade deshalb, will Eva Schütz das Steuer übernehmen. Bei exxpress live am Dienstagmorgen erklärte die exxpress-Herausgeberin und Kandidatin für die ORF-Generalsdirektion Schritt für Schritt, welche Reform-Agenda sie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk hat – und warum sie sich als Außenseiterin für die Aufgabe besonders qualifiziert sieht.

„Jemand von außen hat mehr Objektivität"

„Das ist ein hochinteressanter Job und da gibt’s einige Dinge, die zu tun sind”, sagte Schütz in der Sendung. Als jemand, der nicht in den internen Strukturen des ORF verstrickt sei, bringe sie eine Perspektive mit, die dringend nötig sei: „Jemand von außen hat das sicher ein bisschen mehr Objektivität und ist vor allem nicht so involviert und nicht so verstrickt.”

Das Ziel sei klar: Ein Programm für die Zuseher – nicht für den ORF selbst und auch nicht für Meinungseliten. „Der ORF muss wieder ein Programm machen für die Zuseher, also nicht für sich selbst und auch nicht für irgendwelche Meinungseliten, die gerne bedient werden möchten, sondern für die Zuschauer.”

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Parteipolitik raus, Kompetenz rein

Ein zentrales Thema: der Stiftungsrat. Schütz spricht sich klar für dessen Verkleinerung und Entpolitisierung aus. Im Stiftungsrat säßen derzeit Leute, „die eigentlich nur deswegen drinnen sitzen, damit sie eigene Firma besser betreiben können” – das sei zwar nicht rechtswidrig, aber „man muss es abschaffen”. Außerdem müssten intransparente Sonderverträge und Privilegien weg.

Auf die Frage, ob sie als politisch verortet gelte, antwortete Schütz offen: „Ich bin keine Kandidatin der Bundesregierung oder der Koalition, ich bin keine Kandidatin von Freundeskreisen oder einzelner Gremien. Ich bin die Kandidatin der Zuseherinnen und Zuseher und der Gebührenzahler.”

ORF muss sich am Markt beweisen

Wirtschaftliche Disziplin ist für Schütz keine Kür, sondern Pflicht. Der ORF müsse rechtfertigen, warum er die ihm zur Verfügung gestellten Summen verdient: „Was kostet der ORF und was macht er besser um das Geld, das er mehr verbraucht wie alle anderen?” Wer sich Servus TV anschaue und frage, was der ORF jetzt eigentlich besser mache – der bekomme derzeit keine überzeugende Antwort.

Schütz spricht sich zudem für Kooperationen mit privaten Sendern aus. „Ich glaube, Kooperation mit den Privatsendern macht jedenfalls Sinn.” Die ORF-Plattform solle allen offenstehen, die österreichische Identität verkörpern und öffentlich-rechtliche Inhalte produzieren – auch Ö24, Servus TV oder Krone TV.

Österreichische Bundesliga gehört zurück ins ORF-Programm

Ein konkreter Wunsch Schütz’: Die Österreichische Bundesliga soll wieder im ORF zu sehen sein. „Es kann doch eigentlich nicht sein, dass man jetzt die österreichische Bundesliga nicht mehr auf ORF sehen kann.” Nationalsportarten gehörten zum öffentlich-rechtlichen Kernauftrag – und dafür müsse man die Finanzierungsströme entsprechend aufstellen.

Hearing öffentlich machen

Auf die Frage, ob sie es befürworten würde, das Bewerbungsverfahren öffentlich zu gestalten, zeigte sich Schütz aufgeschlossen: „Öffentlichrechtliche Fernsehsender wäre meiner Meinung auch im Standard dazu, das Hearing öffentlich zu machen.” So könnten die Gebührenzahler selbst sehen, wer der beste Kandidat ist – und politische Hinterzimmerdeals würden schwerer.

Jugend- und Medienforscher Bernhard Heinzlmaier, der ebenfalls zu Gast war, lobte Schütz’ wirtschaftliche Unabhängigkeit als entscheidenden Vorteil: „Wenn man den ORF entpolitisieren will, kann man das nicht mit Kandidaten machen, die im Bundeskanzleramt hinter verschlossenen Türen ausgepaktelt werden.” Schütz komme von außen, habe aber Medienerfahrung – und sie käme nicht, weil sie es müsse.

Express geht weiter

Auf die Frage, was mit exxpress passiere, wenn sie den ORF-Posten übernehme, zeigte sich Schütz gelassen: „Wir haben so viele junge, sehr kompetente Kollegen, die da hineingewachsen sind. Ich glaube, das ist uns hier recht gut gelungen.”
Die formelle Bewerbung samt Reformkonzept „ORF 2030″ hat Schütz bereits heute früh eingereicht.