Am Abend der ORF-Wahl diskutierte Eva Schütz gemeinsam mit Ex-ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, Journalistin Danielle Spera und ServusTV-Ex-Intendant Ferdinand Wegscheider über die Zukunft des öffentlichrechtlichen Rundfunks. Schütz, die sich als eine von neun Kandidaten dem Hearing im Stiftungsrat gestellt hatte, nutzte die Sendung für eine klare Abrechnung: Der ORF leide an struktureller Einseitigkeit, mangelnder Transparenz bei Personalentscheidungen und einem Ethikkodex ohne Zähne – und das auf Kosten der Gebührenzahler.

Armin Wolf und der Ethikkodex: „Das gehört geahndet"

Besonders pointiert äußerte sich Schütz zur Causa Armin Wolf, der sie auf der Plattform Bluesky als Herausgeberin einer „rechten, rassistischen Fake-News-Schleuder” bezeichnet hatte. Sie will rechtliche Schritte prüfen – das sei aber nicht der eigentliche Punkt.

Ihr geht es ums Prinzip: „Ich bin keine Privatperson, das ist nicht zu trennen”, sagte Schütz über Wolf und andere ORF-Gesichter, die regelmäßig ihre politischen Ansichten in sozialen Medien kundtun. Das schade dem Unternehmen – und nütze allenfalls der persönlichen Marke des jeweiligen Journalisten. Der bestehende Ethikkodex sei klar, seine Anwendung aber zahnlos. Schütz fordert, dass unabhängige Juristen – ohne persönliche Befindlichkeiten – Sachverhalte nüchtern subsumieren und die im Kodex vorgesehenen Konsequenzen dann auch tatsächlich ziehen.

„Wenn man die Weihnachtsgänse fragt, ob sie Weihnachten vorverlegen wollen"

Dass ihre Bewerbung als bloßes PR-Manöver abgetan wurde, ließ Schütz nicht gelten. Ihr Konzept sehe vor, den öffentlichrechtlichen Auftrag enger zu definieren, den aufgeblähten Overhead-Apparat zu verschlanken und Fördermittel nicht nur dem ORF-Monopol, sondern auch privaten Medien zugutekommen zu lassen. Dass das im Stiftungsrat auf wenig Gegenliebe stoße, sei wenig überraschend: „Wenn man die Weihnachtsgänse fragt, ob sie Weihnachten vorverlegen wollen, dann wird wahrscheinlich auch die Antwort Nein sein.” Schweigen solle man deswegen jedoch nicht.

Lineare Sender, interne Klüngel, fehlende Ausgewogenheit

Strukturell sieht Schütz beim ORF grundlegende Probleme: Interne Besetzungen nach der Generaldirektion führten dazu, dass stets jene nachrückten, die dem bisherigen Zirkel nahestehen – eine Eigendynamik, die Einseitigkeit perpetuiere.

Laut einer Unique-Research-Umfrage aus 2024 halten 52 Prozent der Befragten den ORF für politisch nicht ausgewogen – ein Befund, den Schütz direkt mit der Personalstruktur verknüpft. Dazu komme die Frage der digitalen Zukunft: Das lineare Fernsehen sei „vorbei”, und der ORF investiere lediglich fünf Prozent seines Budgets in seinen Online-Auftritt. Schütz plädiert für eine gemeinsame Streaming-Plattform aller Sender – und dafür, öffentlichrechtliche Inhalte zu finanzieren, nicht Unternehmensstrukturen.