Dass ihre Kandidatur für den ORF-Chefsessel Wellen schlagen würde, war Eva Schütz wohl klar. Immerhin hat sie als exxpress-Herausgeberin kein Blatt vor den Mund genommen, wenn es um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geht – und angekündigt, dass sie als Generaldirektorin gegen öffentliche politische Wortmeldungen von ORF-Journalisten vorgehen würde.
Armin Wolf, stellvertretender Chefredakteur und wohl bekanntestes Gesicht der ZIB, tat daraufhin genau das, wogegen sie sich ausgesprochen hatte – und schoss via Social Media öffentlich gegen sie. In der ServusTV-Diskussionssendung „Links. Rechts. Mitte – Duell der Meinungsmacher” ließ Schütz das nicht unkommentiert.
Wolf schießt gegen Schütz – und trifft sich selbst
Auf die Frage, ob sie der Post des ORF-Moderators kränke, antwortete Schütz kühl: Nein. Aber taktisch klug sei er nicht gewesen. Wolf habe damit „jedem Vorurteil gegen ihn und auch gegen den ORF recht” gegeben. Ein ORF-Journalist, der sich öffentlich zur Direktorenwahl äußere, „unterminiert die Objektivität massiv”, so Schütz. Und das sei keineswegs eine Kleinigkeit: Im ORF gelte eine entsprechende Richtlinie, die als Weisung der Generaldirektion ausgegeben wurde und arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könne. Ihr Urteil fiel klar aus: „Es gibt nicht nur die Richtlinie, sondern es gibt auch die Exekution dieser Richtlinie – weil ansonsten ist sie ja völlig wirkungslos.”
Was Schütz im ORF ändern würde
Inhaltlich skizzierte Schütz ihre Reformvorstellungen: Der ORF müsse aufhören, sich mit sich selbst zu beschäftigen, und den Gebührenzahler wieder in den Mittelpunkt stellen. Sonderverträge, Boni und Nebenbeschäftigungen sollten künftig transparent im Rechenschaftsbericht ausgewiesen werden.
Stellen unterhalb der Direktorenebene – etwa Chefredakteure oder Sendungsverantwortliche – sollten öffentlich ausgeschrieben werden statt intern vergeben, um der Tendenz zur Selbstrekrutierung entgegenzuwirken.
Eigene Redaktion frei von Vorgaben
Den Vorwurf, als Herausgeberin eines pointiert meinungsstarken Privatmediums sei sie nicht geeignet für den öffentlich-rechtlichen Auftrag, wies Schütz zurück. Bei einem Privatmedium sei Haltung erlaubt und transparent – beim ORF gelten andere Regeln, und die würde sie auch einhalten. Dabei stelle sie klar: „Mir hat im exxpress noch nie irgendjemand gesagt, was ich sagen soll, was ich schreiben soll.”

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