Österreichs Schmetterlingswelt gibt der Wissenschaft weiterhin Rätsel auf. Im Zuge eines europaweit einzigartigen Forschungsprojekts wurde mit Symmoca schmidi erst kürzlich eine bislang unbekannte Schmetterlingsart nachgewiesen, die auch in Vorarlberg vorkommt. Die Entdeckung gelang im Rahmen der ersten umfassenden genetischen Bestandsaufnahme der heimischen Schmetterlinge.

Ein Forschungsteam unter Leitung der Tiroler Landesmuseen hat in den vergangenen 15 Jahren die genetischen Fingerabdrücke von insgesamt 3.591 Schmetterlingsarten erfasst. Damit liegen für rund 85 Prozent aller in Österreich bekannten Arten sogenannte DNA-Barcodes vor. Die Ergebnisse wurden nun im Fachjournal Insects veröffentlicht.

Österreich als Hotspot der Artenvielfalt

Mit rund 4.200 bekannten Schmetterlingsarten zählt Österreich zu den artenreichsten Ländern Europas und übertrifft sogar deutlich größere Länder wie Deutschland. Verantwortlich dafür ist die außergewöhnliche landschaftliche Vielfalt mit alpinen, kontinentalen und pannonischen Lebensräumen.

Für die Studie analysierten die Forscher knapp 25.000 Schmetterlinge aus allen Teilen des Landes. Rund 600 Arten konnten bislang nicht genetisch erfasst werden, da sie entweder bereits ausgestorben sind oder so selten vorkommen, dass kein geeignetes Untersuchungsmaterial verfügbar ist.

DNA enthüllt verborgene Arten

Die genetischen Untersuchungen bestätigten bei 93 Prozent der erfassten Arten die bisherigen Bestimmungsmethoden, die vor allem auf äußeren Merkmalen und anatomischen Strukturen beruhen. Gleichzeitig stießen die Wissenschaftler auf zahlreiche Auffälligkeiten.

Bei rund zehn Prozent der scheinbar eindeutig bestimmten Arten fanden sich überraschend große genetische Unterschiede. Diese könnten auf bislang unerkannte, sogenannte kryptische Arten hindeuten – also Arten, die äußerlich kaum voneinander zu unterscheiden sind, genetisch jedoch klar getrennte Entwicklungslinien darstellen.

Besonders spannend sind etwa 40 Arten, die sich weder genetisch noch anhand klassischer Merkmale eindeutig zuordnen lassen. Die Forscher vermuten hier eine beträchtliche Zahl weiterer bislang unbekannter Arten.

Neue Art in Vorarlberg nachgewiesen

Ein aktuelles Beispiel für diese verborgene Vielfalt ist Symmoca schmidi. Wie ORF Vorarlberg berichtete, wurde die Art erst im April dieses Jahres wissenschaftlich beschrieben. Lange Zeit galt der nur wenige Millimeter große Falter als Teil einer bereits bekannten Art. Erst detaillierte DNA-Analysen machten deutlich, dass es sich um eine eigenständige Art handelt.

Symmoca schmidi lebt in den Ostalpen und damit auch in Vorarlberg. Die Raupen halten sich unter flachen Steinen in alpinen Lebensräumen auf und ernähren sich vermutlich von Moosen und Flechten. Der Falter besitzt helle, beige gefärbte Flügel mit braunen Sprenkeln und ist aufgrund seiner unscheinbaren Färbung hervorragend getarnt. Benannt wurde die Art nach dem Schweizer Schmetterlingsforscher Jürg Schmid.

Insgesamt konnten im Zuge des Forschungsprojekts bereits 14 neue Schmetterlingsarten für die Wissenschaft beschrieben werden.

Grundlage für künftigen Artenschutz

Die im Projekt gewonnenen Daten wurden in der internationalen Datenbank BOLD (Barcode of Life Data Systems) frei zugänglich hinterlegt. Damit steht erstmals eine nahezu vollständige genetische Referenzbibliothek für eine besonders artenreiche Tiergruppe Österreichs zur Verfügung.

Die Daten sollen künftig eine zentrale Rolle beim Biodiversitäts-Monitoring spielen. Mithilfe automatisierter Insektenfallen können große Mengen an Proben gesammelt und anschließend genetisch ausgewertet werden. Nach Ansicht der Forscher wären derartige Erhebungen mit klassischen Bestimmungsmethoden allein personell und finanziell kaum zu bewältigen.

Für die Wissenschaft ist die Arbeit damit noch lange nicht abgeschlossen. Vielmehr deutet die neue DNA-Bibliothek darauf hin, dass in Österreichs Schmetterlingswelt noch zahlreiche bislang unentdeckte Arten verborgen sein könnten.