Den Anfang nahm alles mit einem scheinbar unscheinbaren Fund: Ein spielendes Mädchen entdeckte auf dem Baustellengelände einen Knochen. Daraufhin wurden Archäologen hinzugezogen, die bei ihren Untersuchungen auf insgesamt neun Massengräber stießen.
Innerhalb weniger Wochen legten die Fachleute auf einer Fläche von rund 150 Quadratmetern die Überreste von insgesamt 120 Personen frei, berichtet die Heute.
"Österreichweit einzigartig"
Für Projektleiterin Michaela Binder von der Grabungsfirma Novetus ist die Entdeckung eine Sensation.
“Es ist ein außergewöhnlicher Fund. Er ist österreichweit oder sogar in ganz Mitteleuropa einzigartig”, erklärt die Archäologin.
Die Toten wurden offenbar ohne erkennbare Ordnung bestattet. Viele lagen auf dem Bauch, auf der Seite oder mit dem Kopf in entgegengesetzter Richtung. Nach Einschätzung der Experten wurden die Leichen lediglich in die Gruben geworfen und anschließend verscharrt.
Rätsel um die Todesursache
Nach bisherigen Erkenntnissen stammen die sterblichen Überreste vermutlich aus der Zeit der Napoleonischen Kriege zu Beginn des 19. Jahrhunderts.
Auffällig ist jedoch, dass bislang keine Hinweise auf Kampfhandlungen gefunden wurden. Schussverletzungen oder andere typische Kriegsverletzungen fehlen.
Bei einem der Toten entdeckten die Wissenschaftler allerdings eine kurz vor dem Tod durchgeführte Unterschenkelamputation. Das könnte darauf hindeuten, dass sich an diesem Ort einst ein Lazarett oder ein Feldlager befand.
Wer die Männer waren und woher sie stammten, ist derzeit noch unklar. Genau diese Fragen sollen nun umfangreiche Untersuchungen beantworten.
Nach Abschluss der Grabungsarbeiten werden die Knochen gereinigt, dokumentiert und von Experten anthropologisch untersucht. Die Forscher hoffen, dadurch mehr über Alter, Herkunft und die möglichen Todesumstände der Verstorbenen herauszufinden.
Der spektakuläre Fund dürfte die Wissenschaft noch lange beschäftigen und könnte neue Erkenntnisse über die Zeit der Franzosenkriege in Oberösterreich liefern.

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