Wenn eine der wichtigsten internationalen Kunstveranstaltungen um 11 Uhr ihre Tore für ein breites Publikum öffnet, geschieht das ohne Eröffnungsfeier. Da die Jury im Streit zurückgetreten ist, wird es Preise erst zum Abschluss im November geben, dann vergeben durch das Publikum.
Kulturminister: Putin hat gewonnen
”Bei der Biennale hat Putin gewonnen”, meint Italiens Kulturminister Alessandro Giuli bitter. Hätte Biennale-Leiter Pietrangelo Buttafuoco die Regierung vor irgendeiner Zusage über Russlands Teilnahmewunsch informiert, dann hätte man das als Verhandlungsmasse nutzen können – vielleicht für eine Waffenruhe in der Ukraine, sagte er der italienischen Zeitung Corriere della sera. Das sehen nicht alle so: Italiens Vize-Regierungschef Matteo Salvini warnt vor Zensur.
Russischer Pavillon bleibt geschlossen
Russland, das heute den Tag des Sieges im Zweiten Weltkrieg feiert, sieht die erste Teilnahme seit Beginn seiner Invasion in der Ukraine als Ende seiner kulturellen Isolation im Westen. Rund 50 vom russischen Staat handverlesene Künstler, darunter Musiker, Dichter und Philosophen, arbeiteten an dem Musik- und Performanceprojekt “Der Baum ist im Himmel verwurzelt”.
Zwar bleibt der Pavillon, der Eigentum des russischen Staates ist, ab heute für ein breites Publikum geschlossen. Besucher sehen aber draußen die Installation auf einem großen Bildschirm. Das sei von Anfang an so geplant gewesen, sagt die Kuratorin Anastassija Karnejewa.
Österreich-Pavillon blieb am Freitag zu
Viele Länderpavillons auf der Kunstbiennale von Venedig hatten am Freitag, dem letzten Preview-Tag vor der allgemeinen Öffnung, ihre Tore nicht geöffnet. Auch der von Florentina Holzinger bespielte Österreich-Pavillon, der zuletzt die Massen anzog, blieb zu. Grund war ein breit angelegter Protest gegen die Teilnahme Israels. Organisiert wurde der Streik von der Aktivistengruppe “Art Not Genocide Alliance (ANGA)”.
Israelischer Künstler fühlt sich isoliert
Und Israel? Immerhin wollte die Jury das Land gemeinsam mit Russland von der Preisvergabe ausschließen, bevor sie geschlossen zurücktrat. Über diesen Rücktritt habe er sich gefreut, sagte der rumänisch-israelische Bildhauer Belu-Simion Fainaru, der Zeitung “Welt”. Doch in Venedig sei er “völlig isoliert”, berichtete der Gestalter des israelischen Pavillons. “Mit keinem einzigen Künstler und Kurator auf der Biennale gibt es Interaktion.”
Für die Politik der israelischen Regierung will Fainaru nicht verantwortlich gemacht werden. “Ich jedenfalls bin als Künstler nach Venedig gekommen, und nicht, um meine politische Haltung oder diejenige meines Landes zu vertreten oder um mich zu Vorwürfen gegen einen Regierungschef zu äußern”, sagte er der Jüdischen Allgemeinen. “Das würde ich sehr gerne den Politikern überlassen.”

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