Laut einer Studie der Krebshilfe Oberösterreich konsumiert inzwischen jeder dritte Jugendliche Nikotin. Dabei wird jedoch längst nicht mehr nur geraucht.
Viele greifen stattdessen zu Nikotinbeuteln, die aus Nikotinsalzen, Füllstoffen und Aromen bestehen und direkt über die Mundschleimhaut wirken.
Gerade weil kein Rauch entsteht und der Konsum äußerlich kaum sichtbar ist, werden die Produkte von vielen Jugendlichen als weniger problematisch wahrgenommen.
Besonders im Sport weit verbreitet
Vor allem im Nachwuchs- und Leistungssport haben sich Nikotinbeutel in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet. Betroffen sind zahlreiche Sportarten – darunter Fußball, Tennis, Volleyball und besonders Eishockey.
Kurzfristiger Leistungseffekt – langfristige Schäden
Der Reiz für viele Sportler liegt in der unmittelbaren Wirkung des Nikotins. Laut Sportmediziner David Kiesl kann Nikotin kurzfristig tatsächlich Konzentration und Wachheit steigern.
Viele Konsumenten berichten über ein stärkeres Fokusgefühl und bessere Reaktionsfähigkeit. Doch genau diese kurzfristigen Effekte hätten langfristig ihren Preis. In Leistungsdiagnostiken zeigten Sportler mit regelmäßigem Nikotinkonsum häufig deutlich erhöhte Herzfrequenzen. Dauerhaft könne dies Herz und Kreislauf erheblich belasten.
Zusätzlich treten laut Medizinern immer wieder Symptome wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Erbrechen auf.
Gefahr für Mund, Zähne und Schleimhäute
Besonders geschädigt wird auch der Mund-Rachen-Bereich. Matthias Stadler vom Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern Linz warnte im ORF-Gespräch vor lokalen Schäden durch den dauerhaften Kontakt der Nikotinbeutel mit der Mundschleimhaut.
Die Produkte könnten Reizungen verursachen und bei intensivem Konsum sogar das Risiko für schwere Erkrankungen erhöhen. Genannt werden unter anderem Zahnverlust und mögliche Krebsentwicklungen im Mundraum.
Teilweise mehr Nikotin als Zigaretten
Besonders kritisch sehen Experten die hohen Nikotinmengen in manchen Produkten. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung enthalten einige Nikotinbeutel bis zu 50 Milligramm Nikotin.
Ein erheblicher Teil davon gelangt direkt in den Blutkreislauf – teilweise in Mengen, die mit klassischen Zigaretten vergleichbar oder sogar höher sind.
Gesellschaftlicher Umgang mit Nikotin verändert sich
Kritiker sehen zudem die Gefahr, dass neue Nikotinprodukte bestehende Nichtraucherschutz-Regeln zunehmend unterlaufen. Weil Nikotinbeutel nahezu überall konsumiert werden können, verschwimmen Grenzen, die sich in den vergangenen Jahren gesellschaftlich etabliert hatten.
Präventionsforscher fordern deshalb einen bewussteren Umgang mit Nikotinprodukten – insbesondere bei Jugendlichen und im Sportumfeld.
Denn auch wenn Nikotinbeutel äußerlich moderner und harmloser wirken als klassische Zigaretten, bleibt die zentrale Wirkung dieselbe: Sie machen abhängig – und können langfristig erhebliche gesundheitliche Folgen nach sich ziehen.

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