Im Rennen um die Nachfolge an der Spitze des ORF wird der Ton immer rauer. Während ORF-Managerin Lisa Totzauer ihre Kandidatur offiziell bestätigt hat, gilt APA-Chef Clemens Pig weiterhin als Favorit. Gleichzeitig wächst der politische Druck auf den öffentlich-rechtlichen Sender massiv.
Denn: Totzauer bringt zwar jahrzehntelange ORF-Erfahrung mit und wird intern als durchsetzungsstarke Managerin beschrieben. Ganz ohne Kritik bleibt ihre Bilanz jedoch nicht: So geriet etwa der „Report“ nach personellen Veränderungen quotenmäßig unter Druck. Auch die inhaltliche Ausrichtung einzelner Formate stößt vor allem in der ÖVP auf Skepsis. Unterstützung soll Totzauer dennoch aus roten, pinken und grünen Kreisen erhalten haben.
Auch Pig gerät zunehmend ins Zentrum der Debatte. Kritiker werfen den Parteien bereits jetzt vor, den Posten hinter verschlossenen Türen „auszupackeln“, wie Journalist Lucas Ammann berichtete. Im Stiftungsrat soll sich längst eine Mehrheit für den APA-Chef formiert haben – obwohl die offizielle Bewerbungsfrist noch läuft.
Weitere Kandidaten im Gespräch
Neben Totzauer und Pig kursieren weitere Namen. Immer wieder genannt wird Puls-4-Gründer Markus Breitenecker. Auch der frühere HBO-Max-Manager Johannes Larcher soll hinter den Kulissen Unterstützung erhalten – unter anderem vom ehemaligen ORF>Intendanten Gerhard Zeiler.
NEOS fordern Reform
Parallel dazu erhöhen die NEOS den Druck auf den ORF drastisch. Klubchef Yannick Shetty bezeichnete den ORF-Stiftungsrat sogar als „Gremium des Grauens“ und fordert eine tiefgreifende Reform des Senders. Ein bloßer Personalwechsel an der Spitze reiche längst nicht mehr aus.

Budgetzuschuss infrage gestellt
Zusätzliche Brisanz erhält der Streit durch die Finanzierungsdebatte. ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti hat zuletzt die rund 100 Millionen Euro schweren Budgetzuschüsse für den ORF infrage gestellt. Mehrere Verfahren auf EU-Ebene laufen bereits.
Bis zur Wahl am 11. Juni dürfte sich der Machtkampf am Küniglberg weiter zuspitzen – inklusive politischer Intrigen, öffentlicher Zurufe und immer neuer gegenseitiger Vorwürfe. Und wer weiß: Vielleicht mischt am Ende sogar noch ein völlig neuer Kandidat im Rennen um den ORF-Chefsessel mit. Man wird sehen.

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