Die im renommierten Fachjournal British Medical Journal veröffentlichte Studie kommt zu einem ernüchternden Ergebnis. Die Nutzung von Plattformen wie Instagram, Facebook oder TikTok hat sich durch das Verbot kaum verändert, berichtet Die Welt.

Die Forscher befragten mehr als 400 junge Nutzer unmittelbar vor Inkrafttreten der gesetzlichen Beschränkungen und erneut drei Monate später. Dabei zeigte sich, dass viele Minderjährige Wege gefunden haben, die Altersgrenzen zu umgehen.

Oft werden dafür falsche Altersangaben verwendet, zusätzliche Benutzerkonten angelegt oder Profile genutzt, die auf ältere Personen registriert sind.

Kaum Veränderungen beim Nutzungsverhalten

Besonders auffällig: Bei den 12- bis 13-Jährigen konnten die Wissenschaftler nahezu keine Veränderung im Nutzungsverhalten feststellen.

In der Altersgruppe der 14- bis 15-Jährigen wurde zwar ein leichter Rückgang registriert, dieser fiel jedoch deutlich geringer aus als von den Befürwortern des Verbots erwartet.

Bei den Jugendlichen ab 16 Jahren stieg die Nutzung sozialer Netzwerke sogar an.

Die Forscher kommen deshalb zu dem Schluss, dass es bislang keine ausreichenden Hinweise darauf gibt, dass das Gesetz einen nennenswerten Einfluss auf die Social-Media-Nutzung junger Menschen hat.

Debatte auch in Deutschland

Die Ergebnisse sorgen auch außerhalb Australiens für Aufmerksamkeit. Denn mittlerweile diskutieren zahlreiche Staaten über ähnliche Maßnahmen.

Auch in Deutschland steht die Frage nach strengeren Regeln für soziale Netzwerke auf der politischen Agenda. Eine vom Familienministerium eingesetzte Expertenkommission legte kürzlich ihre Empfehlungen zum Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt vor. Die Fachleute sprechen sich jedoch gegen ein generelles Social-Media-Verbot für Minderjährige aus.

Stattdessen empfehlen sie differenzierte Lösungen. Diskutiert werden etwa eine verbindliche Altersgrenze von 13 Jahren oder gezielte Einschränkungen für einzelne Plattformen und besonders risikoreiche Funktionen.

Die Experten argumentieren, dass soziale Medien für viele junge Menschen nicht nur Unterhaltung, sondern auch Informationsquelle, Kommunikationsmittel und Teil ihres sozialen Lebens seien.

Freiheit, Schutz und Verantwortung

Die Diskussion zeigt den schwierigen Balanceakt zwischen Jugendschutz, Informationsfreiheit und der Verantwortung von Eltern sowie Plattformbetreibern.

Während Befürworter strenger Verbote vor den psychischen Belastungen und Suchtgefahren sozialer Netzwerke warnen, verweisen Kritiker darauf, dass technische Sperren oft leicht umgangen werden können und ein Verbot allein die zugrunde liegenden Probleme nicht löst.

Die Erfahrungen aus Australien legen nahe, dass gesetzliche Altersgrenzen zwar ein Signal setzen können, für einen wirksamen Schutz junger Nutzer aber vermutlich weitere Maßnahmen notwendig sind.