Seit Dezember 2024 sind Unter-16-Jährige in Australien offiziell von Plattformen wie TikTok und Instagram ausgesperrt – zum Schutz vor Cybermobbing und „räuberischen Algorithmen”. Doch interne Regierungsdokumente, die die Nachrichtenagentur AFP über Informationsfreiheitsgesetze erhielt, zeichnen ein ernüchterndes Bild: Einen Monat nach Inkrafttreten des Verbots gab es „keine sinnvolle Abkehr” von den verbotenen Plattformen, wie ein internes Briefing der australischen eSafety-Kommission vom Februar festhält. TikTok und Instagram hielten weiterhin „dominante App-Store-Rankings und Downloads”. Mehr als fünf Millionen Konten minderjähriger australischer Nutzer wurden zwar seit Inkrafttreten der Gesetze entfernt – doch ein „substantieller Anteil australischer Kinder” scrollt laut eSafety-Kommission noch immer auf den verbotenen Plattformen.
Cybermobbing-Beschwerden gestiegen
Besonders pikant: Gerade das Cybermobbing, eines der Hauptargumente für das Verbot, hat zugenommen. Die Beschwerden über Cybermobbing auf den verbotenen Plattformen stiegen im Vergleich von Jänner 2025 zu Jänner 2026 um 26 Prozent. Der Großteil der Beschwerden stammte von TikTok. Nutzer, die zwischenzeitlich auf andere, nicht verbotene Apps ausgewichen waren, kehrten den Dokumenten zufolge „weitgehend zu den großen, etablierten Plattformen zurück”.
Big Tech hält sich nicht an die Regeln
Australiens Kommunikationsministerin Anika Wells machte im März unmissverständlich klar, wo sie die Schuld sieht: „Australiens weltweit führende Social-Media-Gesetze scheitern nicht. Aber Big Tech hält die Gesetze nicht ein.” Australien werde nicht zulassen, dass die Social-Media-Giganten das Land „für Tassen halten”, so Wells. Tech-Unternehmen müssen bei Verstößen mit Strafen von bis zu 33,9 Millionen US-Dollar rechnen. TikTok äußerte sich auf Anfrage nicht
Weltweites Interesse – und vorsichtige Schlussfolgerungen
Trotz der ernüchternden Frühbilanz ist das globale Interesse am australischen Modell ungebrochen. So haben sich Israel, das Vereinigte Königreich, Norwegen und Neuseeland bereits mit australischen Behörden getroffen und ihr Interesse an ähnlichen Maßnahmen bekundet. Die eSafety-Kommission selbst mahnt jedoch zur Geduld, da die vorliegenden Daten nur einen kurzen Zeitraum abdecken. „Die kontinuierliche Analyse, wenn mehr Daten verfügbar werden, wird robustere, evidenzbasiertere Schlussfolgerungen in Bezug auf längerfristige Trends unterstützen”, so die Kommission. Ob Australiens Experiment tatsächlich als Vorbild für den Rest der Welt taugt, bleibt damit vorerst offen.

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