Drei Menschen sind nach der endgültigen Evakuierung auf Teneriffa inzwischen gestorben. Wegen der langen Inkubationszeit des Virus können auch bis etwa sechs Wochen nach einer Ansteckung noch Passagiere erkranken, wenn sie längst wieder zu Hause sind. Behörden sind gewarnt: Das Virus soll sich nicht weiterverbreiten. Die Infektionskette, die wohl auf dem Schiff begonnen hat, soll enden.
Blutprobe von „Patient Null“ im Fokus
Wie gefährlich der Ausbruch ist, das beschäftigt derzeit Behörden in mehreren Ländern. Fix ist: Der erste Patient, bei dem das Virus nach dem Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff in Europa nachgewiesen wurde, ist bekannt. Der Schweizer hatte nach seiner Reise mit der MV »Hondius« Symptome entwickelt und war in einem Krankenhaus in Zürich positiv getestet worden. Mit seinen Blutproben haben Forscher nun erstmals das Erbgut des Andesvirus, einer gefährlichen Unterart des Hantavirus, von dem Kreuzfahrtschiff entschlüsselt.
Variante ist bekannt
Diese Primäranalyse zeigt, dass der Passagier mit einer bekannten Variante des Andesvirus infiziert ist. Das Virus hat sich vermutlich nicht weiterentwickelt und springt somit wohl auch nicht leichter von Mensch zu Mensch als bisher angenommen, schreibt der Spiegel. Die Daten der Passagiere wurden in einem Fachportal hochgeladen und noch nicht systematisch begutachtet.
Übertragung von Mensch zu Mensch möglich
Hantaviren übertragen sich eigentlich von Nagetieren auf den Menschen. Das Andesvirus aus Südamerika ist die einzige Art aus der Virenfamilie, bei der sich Menschen auch untereinander anstecken können. Infektionen mit Hantaviren sind eher eine Ausnahme: Argentinien meldete 2025 insgesamt 86 bestätigte Fälle, das Nachbarland Chile 35.
„Hypothese einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung deutlich plausibler“
„Aus der Virussequenz ergeben sich nach meiner Einschätzung bisher keine belastbaren Hinweise auf eine veränderte Übertragbarkeit oder Infektiosität“, sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Um die Übertragungskette auf dem Kreuzfahrtschiff endgültig zu rekonstruieren, müssten jedoch verschiedene Daten zusätzlich zu einer Virussequenz abgeglichen werden. Dazu gehörten etwa Informationen über die Kontakte der Erkrankten, zur Reiseroute, zu möglichen Berührungspunkten mit Nagetieren.
Passagiere mit Desinfektionsmittel besprüht
Die Maßnahmen werden bereits umgesetzt. Bei und nach der Evakuierung der MV „Hondius“ auf Teneriffa gab es strenge Vorschriften: Medizinisches Personal in Schutzanzügen und mit Maske besprühten Passagiere mit Desinfektionsmittel. Masken und Hauben. Bilder zeigen, dass Passagiere in Anzügen mit Desinfektionsmitteln besprüht wurden.
Scharfe Sicherheitsprotokolle wegen politischem Druck
Man habe eine „verschärfte Version“ der Sicherheitsprotokolle angewendet, sagte Pedro Ignacio Arcos González, der die Forschungsstelle für Notfall- und Katastrophenmanagement an der Universität Oviedo in Spanien leitet. Wohl auch wegen hohen Drucks auf die Politik durch die mediale Berichterstattung. „So wie der Einsatz organisiert wurde, kann das Risiko für die allgemeine Bevölkerung, sowohl auf Teneriffa als auch anderswo, als praktisch nicht existent angesehen werden“, sagte der spanische Epidemiologe Salvador Peiró.
Lange Quarantäne
Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt Personen, sechs Wochen nach einem engeren Kontakt mit einer positiv getesteten Person in Quarantäne zu bleiben. Das empfohlene Verhalten? Birgt starke Erinnerungen an vergangene Corona-Zeiten: draußen Maske tragen, öffentliche Orte und soziale Kontakte meiden, Abstand halten, Hände waschen, lüften. Die Gesundheitsämter sollten täglich mögliche Symptome überwachen und dokumentieren.
Österreich beobachtet
Aus dem Umfeld der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit wurde betont, dass man die Lage im internationalen Austausch beobachte – hinsichtlich der Entwicklung einer neuen Pandemie hielt man sich bedeckt. Am Montagmorgen gab das französische Gesundheitsministerium bekannt, dass eine Frau positiv auf das Virus getestet wurde. Spanische Behörden meldeten am Dienstagmorgen einen Fall. Bisher gibt es aber keine Hinweise darauf, dass das Virus sich außerhalb des Clusters der Passagiere ausbreitet.

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