Ein schwer traumatisiertes zwölfjähriges Mädchen ist am 1. März 2026 bei einer Betreuungsübergabe in Wien aus Angst vor einem Sozialpädagogen aus einem Fenster gesprungen und dabei schwer verletzt worden. Das Kind ist mehrfacher sexueller Missbrauch widerfahren und leidet in der Folge unter panischer Angst vor Männern, wie die Tageszeitung Krone berichtet. Weil ihre Familie sie nicht schützen konnte, wird sie sozialpädagogisch betreut, zuletzt beim Verein „Pro Child”, der mittlerweile den Betrieb eingestellt hat – deshalb musste sie in eine andere Einrichtung verlegt werden
Warnungen wurden ignoriert
Das Protokoll einer Betreuerin, welches der Krone vorliegt, hält fest, wie die 12-Jährige auf die Nachricht der Verlegung reagierte: „Darauf reagierte Petra mit sichtbarer Schockreaktion (große Augen, Starre, Stopp der Nahrungsaufnahme), gefolgt von klarer Ablehnung.” Die Empfehlung der Mitarbeiterin war eindeutig: „Übergabe gut strukturiert, ohne Zeitdruck.” Vor allem aber: „Weibliche Betreuer.”
Ein zweites Protokoll zeigt: Ein Mitarbeiter informierte den übernehmenden Verein „Homebase” über die Problematik. Geschäftsführer Herr W. zeigte sich davon laut Schreiben „wenig beeindruckt”. Man teilte ihm mit, dass es empfehlenswert wäre, „keine männlichen Personen zu dem Termin zu schicken, da sie Angst vor Männern habe”. Die Antwort: Wegen „personeller Schwierigkeiten” sei das nicht möglich.
Geschäftsführer mit Teufelshörnern holt Mädchen ab
Die weiteren Gedächtnisprotokolle zeigen, wie die Übergabe eskalierte. Bemerkenswert dabei: W. von Homebase entspricht optisch nicht dem, was man sich unter einem pädagogischen Leiter vorstellt. Der bärtige Mann ist überall tätowiert, seine Ohren sind durch Fleischtunnel geweitet, aus seiner Stirn stehen aufschraubbare Hörner wie bei einem Satanisten. Auf der Stirn des Geschäftsführers prangt ein großes Pentragramm-Tattoo, unter seinem Auge hat er „Fck nZI“ („Fuck Nazi“, Anm.) eintätowiert. Dieser Mann holte ein schwer traumatisiertes Mädchen mit panischer Männerangst ab.Auf einem Foto auf Instagram posiert der Sozialpädagoge mit einem Pitbull-artigen Hund. „Knödel” wird, laut dem Beitrag, als Therapiehund ausgebildet. Bei einem anderen Projekt, dem sozialpädagogischen Wiener Startup „Freak Factory“, ist W. für „Gender- und Diversitymanagement“ zuständig.

Verein bietet auch Erlebnispädagogik an
Im April 2025 erschien im Standard ein Kommentar des Geschäftsführers über minderjährige Straftäter. Dort schreibt er, dass er ein pauschales Wegsperren der kriminellen Jugendlichen in pädagogische Einrichtungen mit vielen anderen jungen Leuten für wenig sinnvoll hält. Besser wäre Einzelbetreuung und Erlebnispädagogik.
Neben stationärer Einzelbetreuung für Kinder und Jugendliche bietet „Homebase“ auch Erlebnispädagogik an, wie sie auf ihrer Webseite angegeben haben. Konkret werden „erlebnispädagogische Wochen auf einem Bauernhof über eine Waldhütte bis hin zu Auslandsprojekten“ durchgeführt.
„Ich sterbe lieber, als mit denen mitzugehen"
Laut Protokoll stellte W. dem traumatisierten Mädchen „ein Ultimatum”: Sollte sie bis dahin nicht freiwillig öffnen, werde er das Zimmer betreten – ob sie wolle oder nicht.
Die Zwölfjährige schloss sich daraufhin im Zimmer ein, tobte – und kletterte schließlich aus dem Fenster im ersten Stock, sprang in ihrer Verzweiflung auf den Beton. Unten brüllte das verletzte Mädchen: „Ich sterbe lieber, als mit denen mitzugehen.” Die Rettung bestätigte den Vorfall: Die 12-Jährige wurde bei dem Sturz schwer verletzt, mit Frakturen im Bein- und Armbereich – ein Polytrauma. Augenzeugen sprechen von einem Wunder, dass sie den Sturz überlebt hat.
Hunderttausende Euro Fördergeld
Brisant: Homebase und der Chef mit den Teufelshörnern werden von der MA 11, der Wiener Kinder- und Jugendhilfe, großzügig mit Steuergeld gefördert – alleine im Monat des Vorfalls mit 386.093 Euro.
Aufstieg mit brisanter Verbindung
Bemerkenswert ist auch der rasante Aufstieg von „Homebase“: Der Verein war Anfang 2025 noch völlig unbekannt, wie die Krone in einem weiteren Artikel berichtet. Die MA 11 unter der politischen Leitung von Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) schwärmt in einer ersten Stellungnahme dennoch in höchsten Tönen: „Der Verein erhielt ursprünglich eine Bewilligung für die Betreuung von Minderjährigen aus anderen Bundesländern und erarbeitete sich in kurzer Zeit einen guten Ruf.” Mit Stand 1. April 2026 betreute Homebase zehn Wiener Kinder im Alter zwischen neun und 15 Jahren – acht davon in sozialtherapeutischer Einzelbetreuung, zwei im betreuten Wohnen.
Auch finanziell ging es rasant bergauf: Lagen die Ausgaben der Stadt für Homebase im Juni 2025 noch bei 44.077 Euro, waren es im März 2026 bereits 386.093 Euro – mit einem Höchststand im Jänner 2026 von 415.094 Euro. Die Tagsätze pro Kind bewegen sich zwischen 869 und 1.235 Euro.
Vater des Geschäftsführers bei MA 11 tätig
Für zusätzliche Brisanz sorgt eine familiäre Verknüpfung: Der Vater des „Homebase“-Geschäftsführers arbeitet ausgerechnet als Personalvertreter bei der MA 11 – jener Behörde, die den Verein beauftragt und finanziert. Für die Stadt offenbar kein Problem: „Dies war offengelegt. Der Personalvertreter war in keiner Weise, mittelbar oder unmittelbar, in Entscheidungen bezüglich des Vereins Homebase eingebunden.” Der Verein selbst wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.
Scharfe Kritik kommt von ÖVP-Wien-Chef Markus Figl: „Vizebürgermeisterin Emmerling muss alle Vorwürfe restlos aufklären und die politische Verantwortung übernehmen.”
„Kein Fehlverhalten festgestellt“
Aus dem Büro der zuständigen Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling (Neos) heißt es gegenüber der Krone: „Die Aufsicht der MA 11 prüfte den Vorfall und achtete darauf, dass dieser fachgerecht bearbeitet wurde. Ein fachliches Fehlverhalten des Trägers Homebase wurde dabei nicht festgestellt.”
Wie die Abholung eines schwer traumatisierten Kindes durch einen Mann mit teuflischer Ausstrahlung „fachgerecht” gewesen sein soll, wird die Behörde wohl noch erklären müssen. Auch, wie ein Mann, der anscheinend entweder Satanist ist oder mit den Tattoos und Hörner-Nieten einen Fetisch auslebt, der Geschäftsführer einer sozialpädagogischen Einrichtung sein kann.

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