Für viele Versicherte stellt sich daher die Frage: Wird der Arztbesuch künftig teurer? Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, die Defizite der Sozialversicherungen in den kommenden Jahren auf null zu reduzieren. Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer sieht dabei wenig Spielraum.

Seiner Einschätzung nach wird eine nachhaltige Sanierung der ÖGK kaum ohne zusätzliche Maßnahmen möglich sein. Denkbar seien höhere Kostenbeteiligungen der Patienten, Leistungseinschränkungen oder tiefgreifende Strukturreformen. Letztere würden jedoch viele Jahre benötigen, bevor finanzielle Effekte sichtbar würden.

Selbstbehalte sorgen für Verunsicherung

Für zusätzliche Unruhe sorgt die jüngste Entscheidung der BVAEB. Dort wurden die Selbstbehalte bei bestimmten Leistungen von zehn auf 20 Prozent verdoppelt.

Kritiker befürchten nun, dass ähnliche Maßnahmen auch bei anderen Krankenkassen folgen könnten. Der Gesundheitssprecher der Grünen, Ralph Schallmeiner, warnt davor, die Änderungen bei der BVAEB als Vorbild für das gesamte Gesundheitssystem zu nutzen. Entwarnung kommt zumindest teilweise von Peter McDonald. Er betont, dass Behandlungsbeiträge für Arztbesuche bei der ÖGK derzeit nicht geplant seien.

Zwar gebe es bereits etablierte Kostenbeteiligungen wie: die Rezeptgebühr, Kostenbeiträge bei Krankenhausaufenthalten, Selbstbehalte bei einzelnen Leistungen, eine zusätzliche Gebühr für den Arztbesuch sei aktuell jedoch kein Thema.

„Nicht jeder kann alles jederzeit bekommen“

McDonald macht gleichzeitig deutlich, dass das Gesundheitssystem effizienter werden müsse. Künftig werde stärker darauf geachtet werden, unnötige Leistungen und Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

„Wir müssen weg von der Vorstellung, dass jeder alles zu jeder Zeit bekommt“, erklärte der Sozialversicherungschef. Die vorhandenen Mittel müssten gezielter eingesetzt werden, um die Versorgung langfristig abzusichern. Konkrete Sparmaßnahmen wurden bislang nicht präsentiert. Experten halten jedoch mehrere Bereiche für wahrscheinlich:

Versicherte könnten künftig stärker dazu motiviert werden, zunächst Hausärzte oder Primärversorgungszentren aufzusuchen, bevor sie Fachärzte konsultieren.

Digitale Vernetzung und strengere Kontrollen sollen Mehrfachuntersuchungen vermeiden. Die ÖGK setzt verstärkt auf Preisverhandlungen mit Pharmaunternehmen, um Arzneimittelkosten zu senken. Diskutiert werden seit Jahren Zusammenlegungen von Leistungen, effizientere Verwaltungsabläufe und eine bessere Abstimmung zwischen Bund, Ländern und Sozialversicherungsträgern.

Was Versicherte aktuell wissen sollten

Für ÖGK-Versicherte gibt es derzeit keine Beschlüsse über neue Arztgebühren oder flächendeckende Selbstbehalte. Dennoch zeigt die Debatte, dass die Finanzierung des Gesundheitssystems zunehmend unter Druck gerät.

Ob die Sparziele ohne zusätzliche Belastungen für Patienten erreicht werden können, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion über Reformen, Kostenbeteiligungen und die Zukunft der Gesundheitsversorgung wird Österreich in den kommenden Jahren intensiv beschäftigen.