Möwen stürzen sich auf „Timmy“

Gleichzeitig lockt der Kadaver zahlreiche Tiere an. Vor allem Möwen sitzen auf dem Wal, picken an der Haut, reißen kleine Gewebeteile heraus und suchen zwischen den Falten nach Würmern, Krebsen und anderen Organismen. Viele Beobachter fürchten nun, dass die Vögel die Haut des Wals durchstoßen und damit eine regelrechte Explosion auslösen könnten. Doch Meeresbiologe Fabian Ritter gibt vorerst Entwarnung.

Die Speckschicht schützt den Kadaver

Der entscheidende Schutz liegt unter der Haut: die dicke Speckschicht des Wals. Bei Buckelwalen kann diese Fettschicht zwischen zehn und 40 Zentimeter dick sein. Sie isoliert nicht nur lebende Tiere gegen die Kälte des Ozeans, sondern wirkt nun auch wie eine stabile Barriere gegen die Schnäbel der Möwen. Die Vögel schaffen es zwar, an der Oberfläche kleine Verletzungen zu verursachen, doch die massive Fettschicht verhindert bislang ein tiefes Eindringen.

Explosionsgefahr bleibt dennoch real

Trotzdem warnen Experten davor, die Situation zu unterschätzen. Denn mit jedem Tag steigt der Druck im Inneren des Kadavers weiter an. Wenn die Gase keinen kontrollierten Ausweg finden, kann der Körper plötzlich aufreißen. Solche Fälle gab es in der Vergangenheit bereits mehrfach. Besonders bekannt wurde ein explodierter Pottwal in Taiwan im Jahr 2004, bei dem Gewebe und Innereien meterweit durch die Luft geschleudert wurden. Deshalb werden große Wal-Kadaver oft gezielt geöffnet, damit die Gase kontrolliert entweichen können. Ob dies auch bei „Timmy“ notwendig wird, ist derzeit noch offen.