Schwere Lastkraftwagen sind zwar nur an rund drei Prozent aller Verkehrsunfälle beteiligt, die Folgen sind jedoch besonders dramatisch. Laut Statistik Austria kamen 2025 insgesamt 73 Menschen bei Unfällen mit Lkw über 3,5 Tonnen ums Leben – das entspricht etwa jedem fünften Verkehrstoten in Österreich.
Besonders gefährlich sind Auffahrunfälle am Ende eines Staus. Fährt ein Pkw unter das Heck eines stehenden oder langsam fahrenden Lastwagens, befinden sich die Aufprallkräfte oft genau auf Höhe der Frontscheibe. Die Folge sind häufig schwerste Kopfverletzungen.
Notbremsassistenten stoßen an ihre Grenzen
Um die Wirksamkeit moderner Assistenzsysteme zu überprüfen, testete der ÖAMTC sieben aktuelle Pkw-Modelle unter realitätsnahen Bedingungen. Dabei fuhren die Fahrzeuge mit Geschwindigkeiten zwischen 56 und 130 km/h auf eine spezielle Lkw-Attrappe auf.
Das Ergebnis fällt ernüchternd aus:
- Einige Fahrzeuge reagierten bereits bei 56 km/h weder mit einer Warnung noch mit einer automatischen Bremsung.
- Bei Geschwindigkeiten von mehr als 100 km/h konnte keines der getesteten Systeme eine Kollision in allen Versuchsanordnungen verhindern.
- Obwohl sämtliche Fahrzeuge die gesetzlichen Anforderungen erfüllen, bestehen laut ÖAMTC weiterhin erhebliche Sicherheitslücken.
Auch der Unterfahrschutz versagt im Ernstfall
Neben den Assistenzsystemen wurde auch der gesetzlich vorgeschriebene Unterfahrschutz von Lkw untersucht. Doch auch hier zeigte sich ein alarmierendes Bild.
Beim Crashtest mit 56 km/h schob sich der Pkw trotz Unterfahrschutz bis zur B-Säule unter den Anhänger und kam erst an dessen Hinterachse zum Stillstand. Ursache war nicht der Querträger selbst, sondern dessen Befestigung am Auflieger. Ohne ausreichend stabile Konstruktion verliert der Unterfahrschutz einen Großteil seiner Schutzwirkung.
Dass wirksamer Schutz möglich ist, beweisen internationale Tests. Ein vom amerikanischen Prüfinstitut IIHS zertifizierter Auflieger mit dem sogenannten “Toughguard”-System konnte das Unterfahren eines Pkw erfolgreich verhindern.
Für den ÖAMTC ist daher klar: Gesetzgeber und Hersteller müssen sowohl bei den Assistenzsystemen als auch bei der Konstruktion von Lkw-Unterfahrschutzen nachbessern.
Steiermark und Kärnten besonders betroffen
Wie groß das Risiko ist, zeigen auch die Zahlen aus den Bundesländern:
- Steiermark: 186 Unfälle mit schweren Lkw im Jahr 2025, dabei acht Todesopfer.
- Kärnten: 63 Lkw-Unfälle mit vier Todesopfern.
Bis die Technik weiter verbessert wird, bleibt die Aufmerksamkeit der Lenker entscheidend. Der ÖAMTC empfiehlt:
- ausreichend Sicherheitsabstand einhalten,
- Assistenzsysteme stets aktiviert lassen,
- bei einem erkennbaren Stauende frühzeitig die Warnblinkanlage einschalten,
- auch auf langen, monotonen Autobahnstrecken konzentriert bleiben.
Der Test macht deutlich: Moderne Sicherheitstechnik kann Leben retten – sie ersetzt jedoch weder eine aufmerksame Fahrweise noch sind die bestehenden Systeme bereits in der Lage, alle kritischen Situationen zuverlässig zu bewältigen. Gerade an Stauenden besteht daher weiterhin erheblicher Verbesserungsbedarf.

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