Die zugrunde liegende Studie analysiert Stickstoff- und Kohlenstoffisotope in über 12.000 prähistorischen Skeletten aus ganz Europa – methodisch durchaus aufwendig. Doch die Autorin der ZEIT räumt selbst ein, dass die eigene Archäologin, die sie zitiert, vor Verallgemeinerungen warnt: In 10.000 Jahren sei viel passiert, die sozialen Strukturen waren stets sehr unterschiedlich. Und: Die Mehrzahl der untersuchten Skelette waren ohnehin männlich – weil Männer häufiger reiche Grabbeigaben erhielten und für Archäologen interessanter waren. Sprich: Die Datenbasis für Frauen ist von vornherein dünner.

Freie Wahl statt Unterdrückung

Was die tatsächliche Forschungslage zum Fleischkonsum heute zeigt, ist nüchterner: Laut RKI essen in Deutschland rund 38 Prozent der Männer mindestens dreimal wöchentlich rotes Fleisch – bei Frauen sind es 16 Prozent. Eine Studie der Universität Zürich aus 2024, die über 20.000 Personen aus 23 Ländern befragte, zeigt zudem: Die größten Unterschiede im Fleischverzehr zwischen den Geschlechtern fanden sich ausgerechnet in Deutschland – und zwar in Ländern mit hoher Gleichberechtigung. Ein höheres Maß an Gleichstellung gibt Frauen mehr Freiheit, sich bewusst für weniger Fleisch zu entscheiden – und Männern umgekehrt die Möglichkeit, häufiger Fleisch zu essen. Nicht Unterdrückung also, sondern freie Präferenz.

Der ZEIT-Artikel ist kein grober Fehler – aber er ist ein Beispiel für einen zunehmend verbreiteten Reflex: Geschlechterdifferenzen werden bevorzugt als Unrecht gerahmt, wenn Männer im Vorteil erscheinen.