Die Angst vor Kriminalität hat ein neues Gesicht. Während früher vor allem ältere Frauen als besonders besorgt galten, zeigt eine aktuelle Untersuchung ein deutlich verändertes Bild. Forscher des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg haben analysiert, wer sich am meisten vor Straftaten fürchtet – mit einem Ergebnis, das aufhorchen lässt und gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelt. Demnach fürchten sich junge Migrantinnen am meisten, so berichtete die WELT.
Deutlicher Wandel bei der Angst vor Kriminalität
Im Mittelpunkt der Studie stehen junge Frauen mit Migrationshintergrund. Laut den Forschern ist ihre Furcht vor Kriminalität derzeit am größten. Kriminologe Dieter Hermann erklärte dazu beim Deutschen Präventionstag: „Diese gehören heute zur Gruppe mit der geringsten Angst vor Straftaten.“ Damit sind ältere Frauen gemeint, also jene Gruppe, die noch vor rund 20 Jahren die größte Sorge hatte, Opfer einer Straftat zu werden.
Tausende Befragte in mehreren Städten
Für die Untersuchung wurden in den Städten Stuttgart, Mannheim, Heidelberg und Heilbronn jeweils 3.000 bis 5.000 Menschen ab 14 Jahren befragt.
Die Ergebnisse machen deutlich, dass nicht das tatsächliche Risiko, sondern die persönliche Wahrnehmung entscheidend ist. Hermann betont, dass die subjektive Interpretation einer Situation entscheidend für die Furcht vor Kriminalität sei und nicht das reale Risiko, Opfer einer Straftat zu werden.
Vertrauen und Lebensqualität als Schlüssel
Die Studie zeigt auch, welche Faktoren das Sicherheitsgefühl beeinflussen. Menschen, die der Polizei, der Justiz und der Politik vertrauen, fühlen sich deutlich sicherer. Ebenso wirkt sich eine hohe Lebensqualität positiv auf das Sicherheitsgefühl aus.
Umgekehrt steigt die Angst, wenn dieses Vertrauen fehlt oder die eigene Lebenssituation als schlecht eingeschätzt wird. Laut Hermann sind besonders stark betroffen jene, die in den vergangenen Jahren selbst Opfer von Hasskriminalität wurden, beispielsweise durch Beleidigungen, körperliche Angriffe oder sexuelle Belästigung.
Präventionstag als Plattform für Debatte
Die Ergebnisse wurden beim 31. Deutschen Präventionstag in Hannover vorgestellt. Rund 3.000 Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft, Politik, Justiz, Polizei und Sozialarbeit diskutierten dort über Strategien zur Verbrechensprävention.
Ein Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf dem Thema „Künstliche Intelligenz in der Prävention“. Hannover bleibt zudem für die kommenden zehn Jahre Austragungsort der Veranstaltung. Die Schirmherrschaft übernahm diesmal Oberbürgermeister Belit Onay.

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