Für die Untersuchung wurden insgesamt knapp 600.000 wissenschaftliche Abstracts aus elf sozialwissenschaftlichen Disziplinen ausgewertet. Die analysierten Arbeiten erschienen zwischen 1960 und 2024 in 367 englischsprachigen Fachzeitschriften. Berücksichtigt wurden unter anderem Soziologie, Politikwissenschaft, Psychologie, Kriminologie, Anthropologie, Gesundheitswissenschaften sowie Wirtschaftswissenschaften und Gender Studies. Von den ausgewerteten Veröffentlichungen wurden rund 180.000 als unmittelbar politisch oder gesellschaftlich relevant eingestuft, berichtet Apollo News.

KI analysierte politische Ausrichtung

Um die ideologische Positionierung der Arbeiten zu messen, entwickelte Manzi ein Verfahren auf Basis moderner KI-Sprachmodelle. Die Veröffentlichungen wurden auf einer politischen Skala von 0 bis 10 eingeordnet. Der Wert 5 stand für die politische Mitte, niedrigere Werte für konservative Positionen, höhere Werte für progressive oder linke Ansichten. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Nahezu alle untersuchten Fachrichtungen lagen links der politischen Mitte.

Gender Studies am weitesten links

Besonders stark ausgeprägt war die progressive Orientierung laut Studie in den Gender Studies. Dieser Bereich erreichte einen Durchschnittswert von 7,6 Punkten. Die Soziologie kam auf 6,9 Punkte, während die Wirtschaftswissenschaften mit 5,7 Punkten vergleichsweise nahe an der politischen Mitte lagen. Selbst dort fanden sich laut Untersuchung konservative oder mitte-rechte Positionen nur in rund 16 Prozent der politisch relevanten Beiträge. In anderen Fachgebieten lag dieser Anteil teilweise bei lediglich wenigen Prozentpunkten.

Trend verstärkt sich seit Jahrzehnten

Die Analyse zeigt zudem eine langfristige Entwicklung. Zwar gab es in einigen Disziplinen während der Regierungszeiten von Margaret Thatcher und Ronald Reagan zeitweise leichte Verschiebungen nach rechts. Seit den 1990er-Jahren sei jedoch in nahezu allen untersuchten Bereichen wieder eine Bewegung nach links zu beobachten. Besonders deutlich habe sich dieser Trend nach 2010 verstärkt.

Weniger politische Vielfalt in linken Disziplinen

Ein weiteres Ergebnis der Studie betrifft die Vielfalt politischer Perspektiven innerhalb einzelner Fachrichtungen. Laut Manzi weisen jene Disziplinen, die insgesamt stärker links orientiert sind, häufig auch eine geringere ideologische Bandbreite auf. Vereinfacht gesagt: Je weiter links ein Fachbereich steht, desto homogener erscheinen die politischen Sichtweisen innerhalb dieses Bereichs. Trotz der auffälligen Ergebnisse zieht der Studienautor keine weitreichenden politischen Schlussfolgerungen. Manzi betont ausdrücklich, dass seine Untersuchung keine Aussagen darüber treffe, warum bestimmte Fachgebiete stärker links geprägt seien. Die Studie liefere keine Beweise für bewusste politische Voreingenommenheit oder Diskriminierung anderer Sichtweisen. Ebenso sei denkbar, dass unterschiedliche Forschungsgebiete aufgrund ihrer Themen naturgemäß zu unterschiedlichen politischen Schlussfolgerungen gelangen. Die Untersuchung dürfte die Diskussion über politische Vielfalt in Wissenschaft und Hochschulen weiter anheizen. Während Kritiker darin einen Hinweis auf ideologische Einseitigkeit sehen, verweisen andere darauf, dass die Studie lediglich politische Muster beschreibt – nicht jedoch deren Ursachen oder Auswirkungen auf die Qualität wissenschaftlicher Forschung.