Der vergangene Winter war für viele Bienenvölker erneut eine große Herausforderung. Dennoch fiel die Bilanz etwas besser aus als im Jahr zuvor. Zwar überlebten zahlreiche Bienen die kalte Jahreszeit nicht, insgesamt konnten jedoch mehr Völker erhalten werden.
Ein wesentlicher Grund für die Verluste sind Krankheiten und Parasiten. Besonders gefürchtet ist die Varroa-Milbe, die als größter Feind der Honigbiene gilt. Sie vermehrt sich in den Bienenwaben und schwächt die Tiere erheblich. Befallene Bienen entwickeln oft verkürzte Hinterleiber oder deformierte Flügel und sind deutlich anfälliger für weitere Erkrankungen.
Honigbienen sind unverzichtbar
Die Bedeutung der Honigbiene für Mensch und Natur kann kaum überschätzt werden. Sie sorgt für die Bestäubung zahlreicher Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Kirschen oder Erdbeeren. Ohne ihren Einsatz würden viele Ernten deutlich geringer ausfallen.
Darüber hinaus tragen Honigbienen zum Erhalt zahlreicher Pflanzenarten bei und liefern wertvolle Rohstoffe wie Bienenwachs, das unter anderem für Kerzen, Kosmetik und medizinische Anwendungen genutzt wird.
Wildbienen kämpfen ums Überleben
Während Honigbienen in großen Völkern leben, sind die meisten Wildbienen Einzelgänger. Sie bauen keine Staaten auf und kümmern sich alleine um ihren Nachwuchs. Viele Arten fliegen sogar bei kühlerem Wetter aus und übernehmen eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Wildpflanzen.
Doch gerade die Wildbienen stehen zunehmend unter Druck. Ihre Lebensräume werden zerstört oder durch Straßen, Siedlungen und intensive Landwirtschaft zerschnitten. Viele Arten sind zudem hoch spezialisiert und sammeln Pollen nur von ganz bestimmten Pflanzen.
Ein Beispiel ist die seltene Skabiosen-Sandbiene. Sie benötigt große Bestände von Skabiosen-Blüten und ist auf trockene, sonnige Standorte mit sandigem Boden angewiesen. Verschwinden diese Lebensräume, verschwindet oft auch die Biene.
Sauberkeit als natürliche Waffe
Bienen verfügen über erstaunliche Strategien, um sich gegen Parasiten zu schützen. Sie reinigen ihren Körper regelmäßig und helfen sich sogar gegenseitig bei der Fellpflege.
Mit ihren Antennen kontrollieren sie den Körper ihrer Artgenossen und entfernen störende Fremdkörper mithilfe ihrer kräftigen Mundwerkzeuge. Dieses Verhalten kann dabei helfen, Parasiten wie die Varroa-Milbe frühzeitig zu erkennen und zu bekämpfen.
Interessante Erkenntnisse liefern auch historische Insektensammlungen. Im Wiener Naturhistorischen Museum befinden sich Bienenexemplare, an denen teilweise noch Pollen haften, die vor über 100 Jahren gesammelt wurden. Sie geben Forschern wertvolle Einblicke in die Entwicklung von Arten und Lebensräumen.
Überdüngung wird zum Problem
Eine oft unterschätzte Gefahr geht von der modernen Landwirtschaft aus. Durch intensive Düngung gelangen große Mengen an Nährstoffen in den Boden. Das fördert zwar das Wachstum bestimmter Pflanzen, verdrängt aber viele Wildblumenarten.
Für Wildbienen hat das gravierende Folgen. Da viele von ihnen auf ganz bestimmte Blütenpflanzen angewiesen sind, finden sie immer weniger Nahrung. Die Artenvielfalt auf Wiesen nimmt ab und mit ihr die Zahl der spezialisierten Bestäuber.
Forscher sehen darin einen der Hauptgründe für das dramatische Artensterben bei Wildbienen. Die höhere Zahl an überlebenden Bienenvölkern macht Experten vorsichtig optimistisch. Dennoch bleibt die Lage angespannt. Vor allem Wildbienen benötigen dringend bessere Lebensbedingungen, um langfristig zu überleben.
Mehr naturnahe Flächen, weniger Pestizide und ein bewussterer Umgang mit Düngemitteln könnten entscheidend dazu beitragen, die kleinen Bestäuber zu schützen. Denn eines ist klar: Ohne Bienen wäre nicht nur die Natur deutlich ärmer – auch unsere Lebensmittelversorgung würde vor großen Problemen stehen.

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