Deutschlands Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach am Sonntag erstmals offiziell von einem Terroranschlag. Nach derzeitigem Ermittlungsstand deute alles auf ein islamistisches Motiv hin.

Nach Horrorfahrt soll Täter mit Machete zugeschlagen haben

Nach Angaben der Ermittler raste der mutmaßliche Täter mit einem weißen Kastenwagen in die Menschenmenge am Rande des CSD. Doch damit dürfte die Attacke noch nicht beendet gewesen sein: Laut den Behörden soll der Mann nach dem Aufprall aus dem Fahrzeug ausgestiegen sein und mit einer Stichwaffe – mutmaßlich einer Machete – weitere Menschen angegriffen haben. Mehrere Personen wurden dabei schwer verletzt.

Kein „einsamer Wolf“

Besonders beunruhigend: Nach Angaben des deutschen Innenministers handelt es sich bei dem Verdächtigen offenbar nicht um einen Einzeltäter oder „einsamen Wolf”. Abdul Ballout sei den Behörden seit Längerem bekannt gewesen, habe sich in der islamistischen Szene bewegt und sei bereits mehrfach strafrechtlich aufgefallen. Er war zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt worden, gegen die ausgesprochene Bewährungsstrafe hatte die Staatsanwaltschaft jedoch Beschwerde eingelegt.

Weil die Ermittler von möglichen Verbindungen in die islamistische Szene ausgehen, schließen die Sicherheitsbehörden weitere Gefahren nicht aus. Die Fahndung nach dem 21-Jährigen läuft deshalb mit Hochdruck.

Beifahrer in Haft

Noch in der Nacht nach dem Anschlag kam es zu einer ersten Festnahme. Nach übereinstimmenden Medienberichten soll es sich dabei um den Beifahrer des Fluchtfahrzeugs handeln. Welche Rolle der Mann bei der Tat gespielt haben könnte, ist derzeit Gegenstand der Ermittlungen.

Täter verfehlte Parade knapp

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erklärte, dass die eigentliche Strecke der CSD-Parade dank massiver Polizeisicherung nicht betroffen gewesen sei. Der Täter habe den abgesicherten Bereich nicht erreicht. Rund 400 Meter entfernt hätten sich jedoch noch zahlreiche Besucher aufgehalten – dort kam es schließlich zur tödlichen Attacke.

Berlin trauert

Nach dem Anschlag trat der Berliner Senat zu einer Sondersitzung zusammen. Dabei soll auch über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen beraten werden. Am Sonntagnachmittag wurde ein Trauergottesdienst in der Marienkirche abgehalten, anschließend zogen Hunderte Menschen in einem Gedenkmarsch zum Brandenburger Tor.

Während Berlin um die Opfer trauert, dauert die Großfahndung nach dem flüchtigen Verdächtigen unvermindert an. Die Polizei bittet die Bevölkerung weiterhin, den Gesuchten keinesfalls selbst anzusprechen, sondern sofort den Notruf zu informieren.