Die Telefonseelsorge Tirol verzeichnete im vergangenen Jahr insgesamt 15.639 Anrufe über die Notrufnummer 142.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach digitalen Beratungsangeboten deutlich. Besonders der österreichweite WhatsApp-Dienst entwickelt sich dynamisch: Seit Mai 2025 gingen dort bereits rund 1.500 Anfragen ein.
Noch stärker genutzt wird inzwischen die Chatberatung. Diese wurde im Jahr 2025 rund 9.500 Mal in Anspruch genommen – Tendenz weiter steigend.
Ehrenamtliche sichern den 24-Stunden-Betrieb
Möglich gemacht wird das umfassende Hilfsangebot durch rund 100 ehrenamtliche Mitarbeiter der Telefonseelsorge Innsbruck. 31 davon arbeiten zusätzlich im österreichweiten Onlineberatungsteam.
Um die Qualität der Gespräche sicherzustellen, absolvieren die Freiwilligen umfassende Schulungen und regelmäßige Fortbildungen. Allein 2025 fanden ORF-Berichten zufolge, elf Weiterbildungen statt – unter anderem zu Themen wie Kindeswohl, Krisengesprächen und digitaler Gesprächsführung.
Täglich dutzende Gespräche über Sorgen und Krisen
Hinter den Zahlen stehen oft belastende persönliche Schicksale. In rund 86 % der eingehenden Anrufe kommt tatsächlich ein Gespräch zustande – durchschnittlich etwa 35 Gespräche pro Tag.
Nicht jeder Kontakt endet jedoch in einem Austausch. In etwa 14 % der Fälle schweigen Anrufer, legen auf oder brechen das Gespräch unmittelbar ab.
Gerade die anonyme und diskrete Struktur der Telefonseelsorge ermögliche vielen Menschen überhaupt erst, offen über psychische Belastungen zu sprechen.
Depressionen nehmen weiter zu
Parallel dazu ist zu beobachten, dass die Zahl psychischer Erkrankungen in Österreich insgesamt stark anwächst. Besonders Depressionen zählen inzwischen zu den häufigsten Erkrankungen.
Nach aktuellen Schätzungen (Oktober 2025) leiden in Österreich rund 730.000 Menschen an Depressionen. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer.
An der Universität Innsbruck wird derzeit intensiv an Möglichkeiten zur früheren Erkennung psychischer Erkrankungen geforscht.
Symptome werden oft spät erkannt
Der Depressionsforscher Alexander Karabatsiakis weiste Ende letzten Jahres im Gespräch mit dem ORF darauf hin, dass viele Betroffene zunächst körperliche Beschwerden behandeln lassen, ohne die psychischen Ursachen zu erkennen.
Häufig treten Symptome wie Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen auf, obwohl die eigentliche Ursache eine depressive Erkrankung ist.
Dabei gelten Depressionen heute grundsätzlich als gut behandelbar – vorausgesetzt, die Erkrankung wird rechtzeitig erkannt und therapeutisch begleitet.

Kommentare
Lädt Kommentare...