Erzbischof Josef Grünwidl bestätigte den Wechsel am Samstag im Ö1-„Mittagsjournal“. Damit ist klar: Am Stephansdom beginnt eine neue Phase. Wie die Krone zuvor berichtet hatte, ist der Abschied nun offiziell bestätigt.

„Gute Gespräche“ statt öffentlicher Abrechnung

Bemerkenswert ist der Ton, in dem Grünwidl den Wechsel erklärt. Der Erzbischof spricht nicht von Bruch oder Konflikt, sondern von einer gemeinsamen Übereinkunft.

„Toni Faber hat meinem Wunsch entsprochen, dass ich nach seinem 30-jährigen Jubiläum als Dompfarrer mir Gedanken über einen neuen Dompfarrer machen kann“, sagte Grünwidl gegenüber Ö1.

Man sei nach guten Gesprächen zu dieser Lösung gekommen. Faber soll das Amt nach seinem 65. Geburtstag im Juli 2027 freimachen.

Nicht die dicksten Freunde

Ganz spannungsfrei war das Verhältnis zwischen Faber und Grünwidl offenbar nicht immer. Der Erzbischof sagte selbst mit einem Schmunzeln, sie seien „nicht die dicksten Freunde“.

Gerade deshalb fällt auf, wie sachlich der Wechsel nun abgewickelt wird. Grünwidl würdigt Fabers lange Amtszeit, vermeidet jede öffentliche Demontage – und macht zugleich klar, dass der Stephansdom personell neu aufgestellt werden soll.

Gemeinsame Kirchengeschichte

Faber und Grünwidl verbindet dennoch eine lange gemeinsame Geschichte. Beide wurden vor mehr als 40 Jahren am selben Tag zu Priestern geweiht.

Das gibt der Entscheidung zusätzliches Gewicht. Hier findet ein geordneter Übergang zwischen zwei bekannten Figuren der Wiener Kirche statt.

Rekord am Stephansdom

Grünwidl verwies auch auf Fabers außergewöhnlich lange Amtszeit. Niemand habe das Amt des Dompfarrers bisher so lange ausgeübt wie Toni Faber. „Da hat Toni Faber schon einen Rekord aufgestellt“, sagte der Erzbischof.

Zugleich sei es üblich, mit Erreichen des 65. Lebensjahres Gespräche über die Zukunft zu führen. Der Abschied kommt also nicht abrupt, sondern mit Vorlauf.

Debatte wird nicht ausgeschlachtet

Zuletzt hatte es auch öffentliche Diskussionen rund um Faber und seinen Lebenswandel gegeben. Auf diese Debatten wollte sich Grünwidl jedoch nicht einlassen.

Der neue Erzbischof hätte den Wechsel als Abrechnung inszenieren können. Stattdessen erklärt er ihn mit Amtsdauer, Alter, Gesprächen und kirchlicher Neuordnung. So nimmt Grünwidl Druck aus einer heiklen Personalfrage – und setzt zugleich ein klares Signal: Der Stephansdom bekommt eine neue Führung.

Faber bleibt der Kirche erhalten

Ganz aus dem kirchlichen Leben verschwindet Toni Faber aber nicht. Er soll weiterhin als Seelsorger am Stephansplatz tätig bleiben.

Auch das ist ein Signal. Grünwidl trennt zwischen dem Amt des Dompfarrers und Fabers weiterer priesterlicher Tätigkeit. Der Posten wird neu besetzt, Faber aber nicht fallengelassen.

„Mit Leib und Seele Priester“

Faber selbst zeigt sich gelassen. Er wolle „mit Leib und Seele Priester“ bleiben, sagte er. Das sei in seiner DNA eingeschrieben.

Seine Zukunft sieht er vor allem in einer Brückenfunktion zwischen Kirche, Glaube, Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Kunst und Kultur. Der Dienst am Menschen mache ihm Freude. Vor einem „Pensionsschock“ fürchte er sich nicht.

Nachfolger noch offen

Wer Toni Faber als Dompfarrer von St. Stephan nachfolgt, ist noch offen. Klar ist nur: Im Sommer 2027 endet eine Ära.

Faber prägte den Stephansdom wie kaum ein anderer Geistlicher. Grünwidl hat den Wechsel nun offiziell eingeleitet – ruhig, kontrolliert und ohne öffentliche Demontage. Für die Erzdiözese ist das mehr als eine Personalentscheidung: Es ist der erste große Ordnungsschritt des neuen Erzbischofs.