Zwischen 800 und 900 Menschen sind derzeit im Transgender Center der Klinik Innsbruck in Behandlung – Patienten aus ganz Österreich, Deutschland, Südtirol und der Schweiz. Besonders auffällig: Ein Drittel davon ist unter 18 Jahre alt. Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass Wartezeiten von bis zu zwölf Monaten entstanden sind, die Erstgespräche haben sich in zehn Jahren nahezu verdreifacht. Centerleiterin Katharina Feil sieht den Grund darin, dass soziale Medien die Sichtbarkeit des Themas massiv erhöht hätten: „Social Media bringt mehr Offenheit und führt dazu, dass sich Menschen trauen, über ihre Identität nachzudenken.”

Hormonblockaden bereits im Kindesalter

Das Center bietet als einzige Einrichtung in Österreich eine umfassende Betreuung durch acht Fachbereiche – von Psychiatrie bis plastischer Chirurgie. Geschlechtsangleichende Operationen werden ab der Volljährigkeit angeboten. Hormonblockaden, die laut Center rückgängig gemacht werden können, gibt es jedoch bereits im Kindesalter. Ob tatsächlich geschlechtsangleichende Maßnahmen durchgeführt werden, werde intensiv geprüft – die Rate derer, die ihre Therapie bereuen, liege bei ein bis drei Prozent der betreuten Patienten an der Klinik Innsbruck.

Soziale Medien als Treiber

Feil sieht den starken Anstieg klar in Zusammenhang mit sozialen Netzwerken: „Viele kommen zu der Einsicht, dass sie möglicherweise anders sind, als sie es sich bisher eingestanden haben.” Feil selbst betont, Betroffene würden unter ernstem psychischen Druck leiden: „Das ist nichts, was jemand leichtfertig wählt.” Ob der rasante Anstieg der Fallzahlen – insbesondere bei Minderjährigen – allein auf gestiegenes Bewusstsein zurückzuführen ist oder ob soziale Medien hier auch einen problematischen Einfluss ausüben, bleibt eine offene Frage.