Die Gründe für die öffentliche Empörung
- Der Notruf: Gurpreet Digwa rief die Rettungskräfte an und behauptete, er und sein Bruder (der Mörder Vickrum Digwa) seien „von einer weißen Person rassistisch angegriffen“ worden, die Vickrums Turban heruntergeschlagen habe.
- Die Folgen: Da die Polizei den Einsatz als rassistischen Angriff einstufte, konzentrierte sie sich vor Ort auf die Beschuldigung. Henry Nowak wurde gefesselt, während er am Boden lag und wiederholte: „Ich kann nicht atmen.“
- Fehlende Täuschungsanklage: Um eine Justizvereitelung rechtlich zu beweisen, müsste der Staatsanwaltschaft nachweisen, dass Gurpreet die Polizei bewusst belogen hat. Es besteht die rechtliche Hürde, dass er im unmittelbaren Chaos eventuell nur die Lüge wiederholte, die ihm sein Bruder erzählt hatte.
Die Anklagen, die dem Bruder dennoch drohen
Auch wenn er nicht für den Notruf angeklagt wurde, ist Gurpreet Digwa nicht straffrei. Er musste sich vor dem Southampton Magistrates Courtwegen anderer schwerer Delikte verantworten:
- Waffenbesitz privat: Sechs Anklagepunkte wegen Besitzes verbotener Waffen in einer Privatwohnung (gemeinsam mit Vater und Bruder), darunter ein Springmesser, Schlagringe, eine Machete und Schwerter.
- Waffenbesitz öffentlich: Ein Anklagepunkt wegen des Führens eines Schlagstocks (Teleskopschlagstock) in der Öffentlichkeit.
- Verbotene Schusswaffen: Ein Anklagepunkt wegen des Besitzes eines illegalen Luftgewehrs.
- Messer und Beile: Weitere Anklagen wegen des Mitführens einer Axt und eines Messers im öffentlichen Raum.
Der aktuelle Stand des Verfahrens
- Der Mörder: Vickrum Digwa wurde zu lebenslanger Haft mit einer Mindestverbüßungsdauer von 21 Jahren verurteilt. Die britische Regierung hat dieses Urteil an das Berufungsgericht (Court of Appeal) verwiesen, da es als „unangemessen mild“ eingestuft wird.
- Die Mutter: Im Gegensatz zum Bruder wurde die Mutter des Mörders, Kiran Kaur, wegen Begünstigung eines Straftäters verurteilt. Forensische Beweise zeigten, dass sie das 21 cm lange Tatmesser vom Tatort entfernte und nach Hause brachte.
- Die Polizei: Die zuständige Polizeibehörde hat sich offiziell entschuldigt. Die unabhängige Polizeiaufsichtsbehörde ermittelt aktiv gegen die eingesetzten Beamten. Der Fall hat in Großbritannien heftige Proteste und Debatten über Messergesetze und Vorwürfe einer ungleichen Polizeiarbeit (two-tier policing) ausgelöst.

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