Der deutsche Unions-Fraktionschef (in Österreich: Klubobmann) Jens Spahn (CDU) hat sich mit seinem Partner ein Kind in den USA gekauft. Der Bub wurde dort von einer Leihmutter geboren, laut Informationen der BILD-Zeitung. Spahns Partner Daniel Funke ist der genetische Vater des Kindes. Gegenüber der Boulevard-Zeitung sagt Funke: „Uns ist bewusst, dass beim Thema Leihmutterschaft oft Unsicherheit herrscht und auch manches Vorurteil besteht. Aber wie sagte der große Franz Beckenbauer: ‚Der liebe Gott freut sich über jedes Kind.‘“
Politiker übergehen deutsches Verbot
Besonders pikant an der Sache ist: Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten, genauso wie eine Eizellenspende. Eine künstliche Befruchtung ist nur dann erlaubt, wenn sie der Frau, von der die Eizelle stammt, selbst zu einer Schwangerschaft verhelfen soll. Bei jeder anderen Verwendung macht sich der Mediziner strafbar. Viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch gehen deshalb ins Ausland, etwa die USA, wo Leihmutterschaft legal ist.
Das bedeutet: Indem Spahn das Kind aus den USA geholt hat, wo es von einer Leihmutter ausgetragen wurde, umgeht der Politiker das Verbot in seiner Heimat.
2015 sprach sich Spahn noch gegen „gemieteten Babybauch“ aus
Dabei sprach sich Spahn früher explizit gegen Leihmutterschaft aus. 2015 schrieb er in einem Gastbeitrag für das GQ-Magazin: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden”. Er ergänzte: „Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.”
In seiner Zeit als Gesundheitsminister positionierte sich Spahn auch offiziell gegen eine Legalisierung.
CDU ist offiziell gegen Legalisierung von Leihmutterschaft
Zusätzlich zu Spahns persönlichen Aussagen gibt es den Parteitagsbeschluss der CDU aus dem Februar dieses Jahres, der besagt: „Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken gegenüber Leihmutterschaft bekräftigt die CDU Deutschlands ihre Forderung, Leihmutterschaft – auch in altruistischen Modellen – in Deutschland weiterhin” zu verbieten.
Erst im April kaufte sich ein weiterer CDU-Politiker ein Baby
Der Unios-Fraktionschef ist nicht der erste christlich-soziale Politiker, der mit einem solchen Vorstoß für Aufsehen sorgt. Erst im April wurde bekannt, dass sich der deutsche Virologe und CDU-Politiker Hendrik Streeck und sein gleichgeschlechtlicher Partner ein Kind von einer Leihmutter in den USA gekauft hat. Das Austragen des Kindes durch eine Leihmutter kostetet insgesamt 250.000 Euro, berichtet die BUNTE.

Vorstoß, um Legalisierung voranzutreiben?
Dass zwei Politiker einer konservativen Partei das deutsche Gesetz umgangen haben und sich ein Kind gekauft haben, stößt auf Kritik. Viele Kommentatoren meinen, dies sei ein Vorstoß, Leihmutterschaft demnächst in Deutschland freigeben zu wollen.
Birgit Kelle: „Gesetze werden gemacht, aber sie gelten nicht für uns?“
Nius-Kolumnistin und Bestsellerautorin Birgit Kelle, die 2024 ein kritisches Buch zum Thema Leihmutterschaft verfasste, schreibt auf „X“: „Ich bin jetzt fertig mit euch @CDU.“.
Sie fährt fort: „Mit Jens Spahn und Hendrik Streeck sind das jetzt innerhalb weniger Monate zwei schwule CDU-Abgeordnete, die das deutsche Leihmutterschaft-Verbot umgehen und sich in Übersee ein Kind besorgen. Welches Beispiel ist das als Vertreter der Legislativen: Gesetze werden gemacht, aber sie gelten nicht für uns? Soll doch das Volk sich dran halten, denn wir haben Geld und kaufen uns Kinder im Ausland? Frauen als Brutkästen benutzen ist ok, solange man es im Ausland macht und nicht auf deutschem Boden?“.
Leihmutterschaft sei innerhalb der EU auf eine Stufe mit Menschenhandel und organisierter Kriminalität gestellt worden, schreibt die Mutter von vier Kindern. Die UN-Berichterstatterin für Gewalt gegen Frauen und Kinder verurteilte die globale Praxis als Ausbeutung von Frauen und Handel von Kindern. „Wenn es hier wieder das gleiche betretene Schweigen gibt wie nach dem ‘Baby-Glück‘ des Kollegen Streeck, dann bitte streicht das C aus dem Parteinamen und lasst es einfach“, endet Kelle ihren Post.
„Tut etwas, was in Deutschland illegal wäre“
Philip Plickert, Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der 2017 einen kritischen Sammelband über Angela Merkels Kanzlerschaft herausgab, schreibt auf „X“ zu Spahns Kindeskauf: „Der Fraktionsvorsitzende der größten Regierungspartei tut etwas, was in Deutschland illegal wäre. Google Gemini schreibt: ‚Obwohl das Embryonenschutzgesetz (ESchG) die Durchführung und Vermittlung von Leihmutterschaften innerhalb Deutschlands strikt verbietet, bleibt der Weg ins Ausland für deutsche Paare eine rechtliche Grauzone ohne strafrechtliche Konsequenzen für die Eltern.‘”.

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