Die Donau entwickelt sich zunehmend zu einem Lebensraum für Tierarten, die ursprünglich gar nicht nach Mitteleuropa gehören. Was harmlos wirkt, stellt Biologen zufolge inzwischen eine ernstzunehmende Herausforderung für heimische Ökosysteme dar. Zahlreiche invasive Arten breiten sich entlang des Flusses aus, konkurrieren mit einheimischen Tieren um Nahrung und Lebensraum oder schleppen Krankheiten ein, gegen die heimische Arten keinerlei Resistenz besitzen.
Zu den auffälligsten Neuankömmlingen zählen die Schwarzmundgrundel, der Signalkrebs sowie der Sonnenbarsch. Alle drei stammen ursprünglich aus anderen Regionen der Welt und haben sich in den vergangenen Jahren in der Donau stark ausgebreitet.
Nordamerikanischer Krebs bringt tödlichen Pilz mit
Besonders problematisch gilt der Signalkrebs. Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Art wurde im vergangenen Jahrhundert gezielt nach Europa eingeführt, um die heimische Krebsfischerei zu stärken. Heute zeigt sich jedoch, dass die Folgen dieser Entscheidung weitreichender sind als ursprünglich angenommen.
Der Signalkrebs trägt häufig die sogenannte Krebspest in sich – eine Pilzerkrankung, gegen die er selbst weitgehend immun ist. Für heimische Flusskrebse endet eine Infektion dagegen fast immer tödlich.
Thomas Friedrich vom Institut für Hydrobiologie und Gewässermanagement der BOKU erklärt, dass die heimischen Krebsarten gegen den Erreger praktisch keine natürliche Widerstandskraft besitzen. Gelangt der Pilz in ihre Bestände, sterben die Tiere häufig nahezu vollständig.
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, darf der Signalkrebs weder lebend transportiert noch verkauft werden.
Sonnenbarsch verdrängt heimische Fischarten
Nicht jede invasive Art überträgt Krankheiten – manche verändern das ökologische Gleichgewicht auf andere Weise. So etwa der Sonnenbarsch.
Der farbenprächtige Fisch wurde ursprünglich als Aquarienbewohner gehalten und gelangte durch ausgesetzte Tiere in heimische Gewässer. Dort ernährt er sich unter anderem von Eiern und Jungfischen anderer Arten und erschwert so deren Fortpflanzung erheblich.
Nach Einschätzung von Experten lassen sich die langfristigen Auswirkungen solcher Freisetzungen kaum vollständig vorhersagen. Umso wichtiger sei es, exotische Tiere niemals absichtlich in der Natur auszusetzen.
WWF spricht Warnung aus
Der WWF Österreich warnt, dass invasive Tiere inzwischen zu den größten Gefahren für die biologische Vielfalt zählen. Gemeinsam mit Faktoren wie der Überfischung und Plastikverschmutzung gehören sie inzwischen zu den größten Herausforderungen für den Naturschutz.
Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung außerhalb Österreichs. Im Mittelmeer wurden mittlerweile mehr als 1.000 nicht heimische Tierarten nachgewiesen. Die steigenden Wassertemperaturen erleichtern vielen wärmeliebenden Arten zusätzlich die Ausbreitung.

Kommentare
Lädt Kommentare...