Auch die Insolvenzen in Österreich sind 2025 auf ein neues 20-Jahres-Hoch gestiegen, mit einem Anstieg der Unternehmenspleiten um 3,4 % bis 8,5 % gegenüber 2024 auf über 7.000 Fälle.Nach bereits kräftigen Zuwächsen in den Jahren 2023 und 2024 setzte sich der Anstieg fort, wenn auch mit leicht gebremster Dynamik. Besonders betroffen waren der Handel, der Bau und die Gastronomie. Trotz der hohen Fallzahlen sanken die Passiva (Schulden) deutlich, da weniger Großinsolvenzen auftraten. Der Trend zeigt eine “neue Realität” struktureller Probleme, mit Ausblicken auf eine mögliche Stabilisierung frühestens 2026.Die Gefahr des dritten Rezessionsjahres infolge ist in Österreich weiterhin nicht gebannt, die heimischen Unternehmen stehen unverändert unter großem finanziellen Druck. Zwar gab es zuletzt zaghafte Anzeichen einer leichten Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage, diese reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Insolvenzwelle einzudämmen. „Neben dem insgesamt hohen Kostenniveau hat auch die vielerorts maximal durchschnittliche Auftragslage und damit einhergehend fehlende Umsätze zu einem Anstieg der Insolvenzen geführt“, analysiert MMag. Karl-Heinz Götze, MBA, Leiter KSV1870 Insolvenz, die Ursachen. „Der Personalmangel trägt auch seinen Teil dazu bei, dass viele Unternehmen Aufträge ablehnen müssen und damit Geld liegen bleibt“, so Götze weiter.

Europas Wirtschaft wankt gefährlich

Westeuropa verzeichnete im Jahr 2025 die höchste Zahl an Unternehmensinsolvenzen seit mehr als 20 Jahren. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Creditreform Wirtschaftsforschung. Mit insgesamt 197.610 Insolvenzen liegen die Fallzahlen um 4,8 Prozent über dem Vorjahresniveau (188.623 Fälle). „Die Krise ist nicht nur konjunkturell, sie ist strukturell. Ein schwacher Welthandel und geopolitische Risiken setzen Europas Unternehmen zu. Gleichzeitig lähmen hohe Energiepreise und Bürokratie die eigene Wettbewerbsfähigkeit. Diese doppelte Belastung frisst sich tief in die Substanz vieler Betriebe“, erklärt Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss. „In Westeuropa ist das Insolvenzniveau mittlerweile höher als nach der schweren Finanzkrise 2008/2009. Nach deutlichen Anstiegen der Insolvenzzahlen in den Jahren 2023 (plus 20,0 Prozent) und 2024 (plus 11,9 Prozent) hat sich die Dynamik zuletzt jedoch etwas abgeschwächt. Für 2026 ist der Trend noch sehr ungewiss, ein weiterer Anstieg ist aber wahrscheinlich“, ergänzt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform Österreich.

Mehr Insolvenzen in vielen EU-Ländern

Die Mehrzahl der westeuropäischen Länder verzeichnete 2025 einen Anstieg der Unternehmensinsolvenzen, berichtet die Anlegerplattform „Mein Geld“. Am stärksten fiel der Zuwachs in der Schweiz aus (plus 35,3 Prozent), gefolgt von Griechenland (plus 24,4 Prozent), Finnland (plus 12,1 Prozent) und Deutschland (plus 8,8 Prozent). Auch in Österreich stiegen die Fallzahlen (plus 4,3 Prozent), liegen jedoch noch im europäischen Mittelfeld. Sechs Länder verzeichneten einen Rückgang der Insolvenzen, darunter die Niederlande, Irland und Norwegen. „Europa driftet auseinander. Große Industrieländer wie Deutschland, Frankreich und Italien litten 2025 unter einer Konjunkturschwäche. Hier lag das Wirtschaftswachstum unter dem europäischen Durchschnitt. Die Krise in diesen ‘Ankerländern’ treibt die Insolvenzzahlen in ganz Westeuropa“, erklärte Hantzsch.

Starker Anstieg im Dienstleistungssektor

Das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete erneut steigende Insolvenzzahlen – sie nahmen um 3,6 Prozent zu. Allerdings fiel der Anstieg weniger stark aus als im Vorjahr (plus 9,4 Prozent). Bei den Dienstleistern wurde ein Plus von 8,7 Prozent registriert (Vorjahr: plus 14,3 Prozent). Im Handel (einschließlich Gastgewerbe) erhöhten sich die Fallzahlen um 3,0 Prozent – nach einem Plus von 8,0 Prozent im Vorjahr. Im Baugewerbe blieben die Fallzahlen nahezu unverändert (plus 0,1 Prozent), nachdem es im Vorjahr noch zu einem deutlichen Anstieg um 15,3 Prozent gekommen war. „Die schwache Konjunktur und anhaltende Preissteigerungen belasteten im vergangenen Jahr die Verbraucherstimmung. Entsprechend verzeichneten Unternehmen aus Bereichen wie Handel und Dienstleistungen eine schwierige Geschäftslage und die Insolvenzen nahmen dort erneut zu“, so Weinhofer.

Entwicklung in Osteuropa

Anders als in Westeuropa war in den osteuropäischen Ländern ein Rückgang der Unternehmensinsolvenzen zu verzeichnen. Die Gesamtzahl verringerte sich um 7,1 Prozent auf 36.939 Fälle (2024: 39.746). Damit liegen die Zahlen etwa auf dem Niveau von 2020. In acht der zwölf untersuchten Länder wurden 2025 weniger Insolvenzverfahren registriert. Die Spannweite des Rückgangs reichte von minus 19,4 Prozent in Kroatien bis minus 0,6 Prozent in Polen. In vier Ländern – Bulgarien, Rumänien, Slowenien und Tschechien – wurde hingegen ein Anstieg der Fallzahlen beobachtet. „Der rückläufige Trend in vielen osteuropäischen Ländern darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Insolvenzzahlen in den meisten Wirtschaftsbereichen weiterhin auf einem hohen Niveau liegen. Vor allem das Baugewerbe und der Dienstleistungssektor sind deutlich stärker betroffen als vor 2020. Nach dem Auslaufen der Corona-Hilfsmaßnahmen kam es hier zu Nachholeffekten, infolgedessen
viele bereits angeschlagene Unternehmen innerhalb kurzer Zeit aufgeben mussten“, ergänzt Weinhofer.

Insolvenzen als Indikator einer neuen Wettbewerbsordnung

Damit wird die Insolvenzwelle zum Indikator einer tiefergehenden Transformation. Sie signalisiert nicht nur ökonomische Schwäche, sondern eine Neujustierung von Wettbewerbsfähigkeit unter veränderten Rahmenbedingungen.
Am Ende steht eine unbequeme, aber klare Diagnose: Die steigenden Insolvenzzahlen sind weniger ein Krisensymptom als ein Korrekturmechanismus. Sie zeigen, dass sich Europas Wirtschaft an ein neues Kosten- und Risikoregime anpasst – und dass diese Anpassung härter ausfällt, je länger sie politisch verzögert wurde.