Das Gericht sah es als erwiesen an, dass das Paar zwei jesidische Mädchen versklavte und diese über längere Zeit schwer misshandelte und vergewaltigte. Die Taten ereigneten sich während der Herrschaft des IS im Irak und wurden als Teil der systematischen Verfolgung der jesidischen Glaubensgemeinschaft gewertet, berichtet die Welt.

Schwerste Vorwürfe bestätigt

Die beiden Angeklagten waren im April 2024 in Bayern festgenommen worden. Der Mann war bereits in einem früheren Verfahren wegen seiner Mitgliedschaft beim IS rechtskräftig verurteilt worden. Im nun abgeschlossenen Prozess standen jedoch seine konkreten Taten an den beiden Mädchen im Mittelpunkt.

Die Bundesanwaltschaft hatte dem Paar unter anderem Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen sowie schweren sexuellen Missbrauch von Kindern beziehungsweise Beihilfe dazu vorgeworfen.

Während die 30-jährige Angeklagte im Prozess erklärte: „Es tut mir leid“, verweigerte ihr früherer Ehemann jede Aussage und erklärte lediglich: „Ich möchte nichts sagen.“

„Monströse Gewalt“

Die Vertreterin der Bundesanwaltschaft sprach während des Verfahrens von Taten, deren Brutalität kaum in Worte zu fassen sei. Die Gewalt liege „so fern jeglicher Menschlichkeit, dass sie unwirklich erscheint“. Ziel des IS sei es gewesen, die jesidische Religionsgemeinschaft systematisch zu vernichten.

Nach Überzeugung des Gerichts wurden die beiden Mädchen verschleppt, als Sklavinnen gehalten und über längere Zeit sexuell missbraucht. Die Verbrechen seien Teil des gezielten Vorgehens der Terrororganisation gegen die Jesiden gewesen.

Der Vorsitzende Richter Philipp Stoll betonte bei der Urteilsverkündung, das Verfahren habe auch der Durchsetzung des Völkerrechts gedient. Gleichzeitig stellte er klar, dass die Angeklagten nicht stellvertretend für sämtliche Gräueltaten des IS verurteilt worden seien, sondern ausschließlich für ihre persönlich begangenen Verbrechen.

Mit dem Urteil endet ein mehr als ein Jahr dauernder Prozess, der erneut die systematische Gewalt der Terrormiliz gegen die jesidische Minderheit in den Mittelpunkt rückte. Deutschland erkennt die Verbrechen des IS an den Jesiden als Völkermord an.