Guzmán schrieb kürzlich an ein Bundesgericht in New York. Darin bat er die US-Behörden um eine Rückkehr in sein Geburtsland Mexiko.

"Grausam, nicht fair"

In einem weiteren Schreiben vom 20. April hatte Guzmán beklagt, dass seine Anfragen zu den Unterlagen, die seiner Verurteilung zugrunde liegen, unbeantwortet geblieben seien. Diese Dokumente würden „meine grausame Bestrafung” nicht rechtfertigen, schrieb er. „Das Urteil in meinem Prozess war nicht fair.” Der ehemalige Drogenboss hatte sich in früheren Gefängnisbriefen wiederholt über Isolation, schlechte Bedingungen in seiner Zelle und den Mangel an Familienbesuchen beklagt.

Drogenschmuggel im großen Stil

Das berüchtigte, von Guzmán geleitete Sinaloa-Kartell schmuggelte nach Angaben des US-Justizministeriums in einem Zeitraum von 25 Jahren mehr als 495 Tonnen Kokain, 99 Tonnen Heroin, 49 Tonnen Methamphetamin und 99 Tonnen Marihuana in die USA. Zudem soll „El Chapo“ hinter zahlreichen Morden stecken, wie aus Justizakten hervorgeht.

Flucht im Wäschetransporter

Guzmán ist auch bekannt für spektakuläre Gefängnisausbrüche. 1993 wurde er in Guatemala verhaftet, an Mexiko ausgeliefert und zu 20 Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. 2001 konnte er aus dem Hochsicherheitsgefängnis Puente Grande im Bundesstaat Jalisco fliehen – ein Wärter öffnete seine Zellentür, und El Chapo versteckte sich in einem Wäschetransporter.

"Staatsfeind Nummer 1"

2014 klickten in Mazatlán erneut die Handschellen. Wenige Tage danach demonstrierten mehrere Tausend Menschen in Sinaloa für die Freilassung Guzmáns. 2015 entkam er erneut. Diesmal aus dem mexikanischen Hochsicherheitsgefängnis Altiplano. Er floh durch einen 1,5 Kilometer langen, 1,70 Meter hohen und 80 Zentimeter breiten Tunnel, der in die Dusche von El Chapos Zelle reichte. Der Drogenboss schaffte es, ungesehen in einem 50 × 50 Zentimeter großen Loch im Boden zu verschwinden. Bis 2016 war er flüchtig und wurde nach dem Ausbruch in den USA erneut zum Staatsfeind Nummer 1 erklärt.

Der "Kleine" ganz groß

El Chapo (mexikanisch für „Der Kleine“ wegen einer Körpergröße von 1,68 Meter) wurde 2009 von der Zeitschrift Forbes auf Platz 41 der der Liste der mächtigsten Menschen der Welt geführt, im Jahr 2012 war er auf dem 63. Platz. El Chapo verfügte 2012 über ein Vermögen von etwa einer Milliarde Dollar.