Es ist offiziell: Venedigs umstrittener Touristen-Eintritt spült der Lagunenstadt ordentlich Geld in die Kassen. Wie die Stadtverwaltung am Sonntag mitteilte, kamen heuer rund fünf Millionen Euro zusammen – eingehoben an nur 60 Tagen zwischen 3. April und 26. Juli.

Ganze 650.000 Tagesgäste zahlten die Sonderabgabe. Fällig wird sie für alle, die zwischen 8.30 und 16.00 Uhr in die Altstadt wollen – vorausgesetzt, sie haben vorab im Internet einen QR-Code gekauft, der an den Zugangspunkten kontrolliert wird. Wer rechtzeitig bucht, zahlt fünf Euro. Kurzentschlossene, die erst in den letzten vier Tagen vor dem Besuch buchen, blättern zehn Euro hin. Die Staffelung soll frühe Reservierungen fördern und die Besucherströme besser lenken.

Von 29 auf 60 Tage – der Eintritt wächst

Die Zahlen zeigen, wie schnell sich das Modell ausweitet: 2024 wurde die Gebühr an gerade einmal 29 Tagen fällig, 2025 an 54, heuer bereits an 60. Über eine dauerhafte Einführung will die Gemeinde auf Basis der bisherigen Erfahrungen entscheiden. Ausgenommen bleiben die kleineren Inseln der Lagune sowie unter anderem Bürger aus der Region Venetien, Studenten und Pendler.

Befürworter sehen darin ein symbolisches Zeichen: Venedig sei fragil und müsse geschützt werden. Kritiker bemängeln indes die zahlreichen Ausnahmen und das Fehlen einer verbindlichen Besucher-Obergrenze. In der Altstadt leben heute weniger als 50.000 Menschen – jährlich strömen Millionen Touristen hinein.

Und es könnte deutlich teurer werden. Venedigs neuer Bürgermeister Simone Venturini will die Abgabe an Spitzentagen auf bis zu 50 Euro anheben, wie die „Tiroler Tageszeitung” berichtet. Bei früher Reservierung wären dann rund 30 Euro fällig, kurzfristig bis zu 50. Der Vorstoß entzweit die Stadt: Teile der Wirtschaft fordern sogar eine ganzjährige Einhebung, die Opposition läuft dagegen Sturm. Alt-Bürgermeister Massimo Cacciari nannte einen Eintritt für eine Stadt „barbarisch” und „unzivilisiert”. Auch verfassungsrechtliche Zweifel stehen im Raum.

Zöchling: „Europa ist dann ein Disneyland"

Zuletzt brachte Remus-Chef Stephan Zöchling die Debatte in einem Podcast auf – und meinte damit ausdrücklich auch Wien. „Wahrscheinlich werden wir in der Wiener Innenstadt Eintritt verlangen müssen”, so Zöchling. Der Grund: Eine Stadt sei ein „Freiluftmuseum”, das Geld brauche, um etwa die Straßenkehrer bezahlen zu können. In Venedig diskutiere man längst nicht mehr über fünf Euro pro Tag, sondern über 20. Bald reichten auch die nicht mehr, dann seien es „30, 40, 50, vielleicht 100 Euro – wie im Disneyland. Und Europa ist dann ein Disneyland. Da sind wir eh schon zum Teil.”