Die rund sieben Minuten langen Aufnahmen stammen vom 11. Mai 2026. Laut Berichten der französischen Tageszeitung Le Figaro wurde die Echtheit des Videos überprüft. Zu sehen sind ein größeres Schiff mit der Aufschrift „Sea-Watch 5“ sowie mehrere kleinere Boote im Mittelmeer.
Auf den Bildern ist erkennbar, wie ein Schlauchboot von der Sea-Watch zu einem Schnellboot fährt, auf dem zahlreiche Menschen mit Rettungswesten sitzen. Anschließend werden die Migranten auf die Boote der Hilfsorganisation umgesetzt, berichtet die Krone
Keine offensichtliche Seenotsituation
Nach Einschätzung der Ermittler sind auf den Aufnahmen keine Menschen im Wasser, kein sinkendes Boot und keine unmittelbar erkennbare Panik zu sehen. Die Videoaufnahmen werfen deshalb Fragen auf, ob es sich um eine klassische Seenotrettung oder um eine organisierte Übergabe gehandelt haben könnte.
Nach bisherigen Erkenntnissen sollen dabei rund 90 Migranten, überwiegend aus Bangladesch, übernommen worden sein. Nachdem alle Personen auf die Rettungsboote gewechselt waren, trennten sich die beteiligten Boote wieder.
Vier Tage nach dem Einsatz lief die Sea-Watch 5 mit insgesamt 166 Migranten im süditalienischen Brindisi ein. Aufgrund der Frontex-Aufnahmen leitete die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Beihilfe zur illegalen Einwanderung ein.
Die Ermittlungen sollen klären, ob tatsächlich eine strafbare Zusammenarbeit mit Schleusernetzwerken vorlag oder ob die Besatzung ausschließlich im Rahmen einer Seenotrettung handelte. Ein Ergebnis liegt bislang nicht vor. In Italien kann Beihilfe zur illegalen Einreise in schweren Fällen mit hohen Freiheitsstrafen geahndet werden.
Sea-Watch weist Vorwürfe entschieden zurück
Die Hilfsorganisation bestreitet jede Form der Zusammenarbeit mit Schleusern. Sea-Watch spricht von einer gezielten Kampagne gegen zivile Seenotretter und erklärt, die veröffentlichten Bilder würden lediglich einen kleinen Ausschnitt des gesamten Einsatzes zeigen.
Nach Darstellung der Organisation befanden sich rund 90 Menschen auf einem überfüllten Boot. Zwei Personen seien bewusstlos gewesen, mehrere weitere stark geschwächt. Das Rettungsteam habe außerdem vermummte Männer angetroffen. Eine Absprache oder Kommunikation mit Schleusern habe es nicht gegeben.
Das ruhige Verhalten der Besatzung sei bewusst gewählt worden, um die Situation nicht eskalieren zu lassen.
Die Überfahrt über das Mittelmeer ist für viele Migranten mit enormen Kosten verbunden. Medienberichten zufolge verlangen Schleuserorganisationen für die gesamte Fluchtroute teilweise bis zu 15.000 Euro, davon rund 5.000 Euro allein für die Überfahrt über das Mittelmeer.
Nach Schätzungen könnten kriminelle Netzwerke mit einer einzigen Bootsfahrt Einnahmen von mehreren Hunderttausend Euro erzielen. Ob und in welchem Ausmaß zivile Seenotrettungsorganisationen dabei ungewollt Teil dieses Geschäftsmodells werden, ist seit Jahren Gegenstand politischer und juristischer Debatten.
Die Ermittlungen der italienischen Justiz sollen nun klären, was sich bei dem Einsatz vor der libyschen Küste tatsächlich abgespielt hat.

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