Die Entwicklung ist eindeutig: In der EU wurden 2024 laut Eurostat 256.302 Sexualdelikte polizeilich erfasst. 98.190 Fälle davon waren Vergewaltigungen. Gegenüber 2023 stiegen Sexualdelikte um fünf Prozent. Vergewaltigungen legten um knapp sieben Prozent zu.
Noch deutlicher ist der Zehn-Jahres-Vergleich: Seit 2014 nahmen polizeilich registrierte Sexualdelikte in der EU um 94,2 Prozent zu. Vergewaltigungen stiegen sogar um 150,4 Prozent.
Drei Grafiken, ein Befund
Auf X kursieren nun mehrere Grafiken, die den europäischen Unterschied zeigen. Eine Rangliste weist England/Wales, Schweden und Frankreich an der Spitze aus. Polen und Bulgarien stehen ganz unten.
Zwei weitere Grafiken von Visegrád24 unterstreichen diesen Kontrast. Eine vergleicht Schweden, England/Wales und Polen. England/Wales steigt darin von rund 29 Fällen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2010 auf mehr als 117 im Jahr 2022. Schweden liegt über den gesamten Zeitraum sehr hoch. Polen bleibt niedrig.
Eine zweite Grafik vergleicht Polen mit Spanien. Spanien steigt bis 2023 auf rund zehn gemeldete Vergewaltigungen pro 100.000 Einwohner. Polen sinkt im selben Zeitraum auf rund 1,3.
Die Zahlen sind nicht erfunden
Die Werte passen weitgehend zu Daten des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC). Dieses sammelt nationale Kriminalstatistiken, darunter polizeilich registrierte Vergewaltigungen pro 100.000 Einwohner. Für 2023 werden dort etwa Schweden mit rund 84 Fällen pro 100.000 Einwohner, Frankreich mit rund 63, Österreich mit rund 25,5, Deutschland mit rund 15,5, Spanien mit rund 10,2, Polen mit rund 1,3 und Bulgarien mit rund 1,1 angegeben.
Ein Detail ist allerdings wichtig: Wenn in solchen Grafiken „UK“ steht, ist meist nicht das gesamte Vereinigte Königreich gemeint. Die hohe Zahl bezieht sich auf England und Wales. Schottland und Nordirland werden getrennt geführt.
Polen bleibt die Ausnahme
Der auffälligste Befund bleibt: Polen liegt in den offiziellen Statistiken extrem niedrig. 2023 kam das Land laut UNODC-Auswertung auf nur rund 1,3 gemeldete Vergewaltigungen pro 100.000 Einwohner.
Das ist deutlich weniger als in Spanien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Schweden oder England/Wales. Auch Bulgarien liegt am unteren Ende. Europa ist bei diesen Zahlen also nicht einheitlich. Der Anstieg trifft nicht alle Länder gleich.
Spanien: Steiler Anstieg
Besonders deutlich ist der Kontrast zu Spanien. Dort stieg die registrierte Vergewaltigungsrate in den vergangenen Jahren stark. Ein wichtiger Hintergrund ist die Reform des Sexualstrafrechts: Spanien hat mit dem „Nur Ja heißt Ja“-Prinzip das Sexualstrafrecht stärker auf Zustimmung ausgerichtet.
Solche Reformen verändern die Statistik. Wenn mehr Taten rechtlich als Vergewaltigung oder sexuelle Aggression erfasst werden, steigen auch die offiziellen Zahlen. Das erklärt aber nicht alles.
Denn auch die Täterstruktur ist brisant: In der spanischen Verurteiltenstatistik entfielen 2024 bei der Kategorie Vergewaltigung („violación“) 49 von 90 registriertenDelikten auf nichtspanische Staatsbürger. Das entspricht rund 54 Prozent. Bei allen Sexualdelikten lag der Ausländeranteil unter den registrierten Delikten erwachsener Verurteilter bei rund 36 Prozent.
Wichtig: Das sind Verurteilungen beziehungsweise Delikte in der Verurteiltenstatistik, nicht alle polizeilich gemeldeten Fälle. Die Fallzahl ist überdies klein. Trotzdem zeigt die Statistik: Die Migrationsfrage ist auch in Spanien Teil der Debatte – nicht nur die Gesetzesreform.
Schweden: Hohe Raten, brisante Täterstruktur
Schweden liegt seit Jahren besonders hoch. Auch dort spielt das breite, zustimmungsbasierte Sexualstrafrecht eine Rolle. Gleichzeitig ist die Täterstruktur politisch brisant.
Eine schwedische Registerstudie untersuchte mehr als 4.000 wegen Vergewaltigung verurteilte Personen. Ergebnis: 50,6 Prozent waren im Ausland geboren. Weitere 12,5 Prozent waren in Schweden geboren, hatten aber mindestens einen im Ausland geborenen Elternteil. Damit hatten 63,1 Prozent der Verurteilten einen Migrationshintergrund.
England/Wales: Ausländeranteil über Bevölkerungsanteil
Auch in England und Wales gibt es Hinweise auf eine Überrepräsentation ausländischer Staatsbürger bei Sexualdelikten. Britische Medien berichteten unter Berufung auf Daten des Justizministeriums: Bei der Kategorie „Vergewaltigung einer Frau ab 16 Jahren“ entfielen im Jahr 2024 155 von 720 Verurteilungen auf ausländische Staatsbürger. In weiteren 42 Fällen war die Nationalität unbekannt.
Das entspricht mehr als einem Fünftel. Aber auch hier gilt: Nationalität ist nicht dasselbe wie Migrationshintergrund. Eingebürgerte Täter erscheinen in dieser Statistik nicht als Ausländer.
Der Vergleich hinkt – aber er ist nicht wertlos
Die große Einschränkung: Diese Statistiken zeigen polizeilich registrierte Fälle – nicht die tatsächliche Gesamtzahl aller Vergewaltigungen.
Der Vergleich ist auch deshalb schwierig, weil die Länder nicht immer dasselbe zählen. In Schweden und Spanien wurden die Vergewaltigungsdefinitionen stärker auf fehlende Zustimmung ausgerichtet. Dadurch können Fälle in der Statistik landen, die früher oder in anderen Ländern anders eingeordnet würden.
Auch die Erfassung unterscheidet sich. Ein Land kann mehrere Taten gegen dasselbe Opfer einzeln zählen, ein anderes fasst sie eher zusammen. Manche Statistiken erfassen auch versuchte Vergewaltigungen oder besonders breite Unterkategorien, andere trennen genauer.
Hinzu kommt die Anzeigebereitschaft. In Ländern mit mehr Vertrauen in Polizei, Justiz und Opferschutz zeigen Betroffene eher an. In Ländern mit mehr Scham, sozialem Druck oder Misstrauen gegenüber Behörden bleibt die Dunkelziffer höher.
World Population Review warnt: Ländervergleiche können durch unterschiedliche Definitionen und unterschiedliche rechtliche oder kulturelle Behandlung von Opfern stark verzerrt werden.
Die unbequeme Frage bleibt
Trotzdem kann man die Zahlen nicht einfach wegwischen. Die X-Grafiken sind nicht Fake. Sie zeigen einen echten Befund: West- und Nordeuropa melden deutlich höhere Vergewaltigungsraten als Polen oder Bulgarien.
Die Erklärung ist nicht monokausal, aber Migration spielt eindeutig eine Rolle – wie übrigens auch die Zahlen in Österreich zeigen. Überdies steigen Europas Vergewaltigungszahlen massiv – aber nicht überall gleich. Polen bleibt in den offiziellen Daten eine auffällige Ausnahme. Genau diese Kluft ist die eigentliche Geschichte.

Kommentare
Lädt Kommentare...