Noch vor wenigen Jahren deutete nichts auf eine kriminelle Laufbahn hin. Die Villacherin hatte eine Ausbildung abgeschlossen, arbeitete als Angestellte und war nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Doch nach dem Tod ihrer Mutter griff sie zunächst zu Cannabis, später zu Kokain. Schließlich lernte sie einen 40-jährigen Algerier kennen und verliebte sich in ihn – einen Mann, der laut Anklage seit Jahren professionell mit Kokain handelte. Der illegal eingereiste Dealer soll das Rauschgift regelmäßig mit dem Zug von Wien nach Kärnten gebracht haben. Aus der Beziehung wurde schließlich auch ein gemeinsames Drogengeschäft.

Koks neben dem Kinderzimmer

Während ihrer Karenz soll die junge Mutter laut Kronenzeitung selbst zur Dealerin geworden sein. In ihrer Wohnung wurden Kokainlieferungen portioniert, abgepackt und für den Weiterverkauf vorbereitet – während ihr kleiner Sohn im Nebenzimmer schlief. Laut Staatsanwaltschaft wurden allein in der Anklage rund drei Kilogramm Kokain berücksichtigt. Die Ermittler gehen jedoch davon aus, dass tatsächlich noch deutlich größere Mengen verkauft wurden. Auch ein Cousin der Angeklagten soll in das Drogennetzwerk verwickelt gewesen sein und sitzt ebenfalls in Untersuchungshaft.

Geständnis vor Gericht

Vor Gericht zeigte sich die 25-Jährige geständig und reumütig. Sie schilderte detailliert, wie das Geschäft funktionierte, nannte Kunden, Preise und Verkaufsorte. Ein Gramm Kokain werde in Villach um rund 100 Euro verkauft. Ihre eigene Sucht habe sie immer tiefer in die Szene gezogen. Der 40-jährige Mitangeklagte behauptete hingegen, er habe seine Freundin eigentlich von den Drogen wegbringen wollen. Dass in der gemeinsamen Wohnung mit Kokain gehandelt wurde, während sich dort ein Kleinkind aufhielt, konnte er damit allerdings nicht erklären. Zudem war der Mann bereits einmal aus Österreich abgeschoben worden, kehrte aber wenig später wieder zurück.

Neuerliche Abschiebung droht

Seit der Festnahme lebt der kleine Bub bei seinem Großvater. Die junge Mutter erklärte vor Gericht, sie wolle ihren Sohn eines Tages wieder zu sich holen. Zuvor müsse sie aber ihre Drogensucht überwinden, eine Therapie absolvieren, wieder Arbeit finden und ihr Leben in den Griff bekommen. Das Gericht verurteilte die geständige Kärntnerin zu zwei Jahren teilbedingter Haft, außerdem wurden eine Therapie und Bewährungshilfe angeordnet. Ihr ehemaliger Lebensgefährte erhielt drei Jahre unbedingte Haft. Nach Verbüßung der Strafe droht ihm erneut die Abschiebung.