Die Staatsanwaltschaft zeichnet das Bild eines Pflegeheims, in dem gravierende Missstände zum Alltag geworden sein sollen. Bewohner seien verwahrlost, unterernährt und dehydriert gewesen. Verantwortlich dafür sei ein jahrelanges Organisationsversagen, das von der damaligen Leiterin nicht verhindert worden sei.

Der Frau wird das Quälen und Vernachlässigen wehrloser Personen vorgeworfen. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihr bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe, berichtet 5min.at.

Warnungen blieben offenbar ohne Folgen

Besonders brisant: Laut Zeugenaussagen sollen die Probleme innerhalb der Einrichtung mehrfach angesprochen worden sein. Ein Arzt, der im Heim tätig war, brachte bereits 2021 eine sogenannte Gefährdungsanzeige ein. Grund dafür war der akute Personalmangel.

Vor Gericht schilderte der Mediziner zudem seine Sorge, dass verschriebene Medikamente möglicherweise nicht immer an die Bewohner ausgegeben wurden. Die Aussagen zeichnen das Bild einer Einrichtung, die mit erheblichen strukturellen Problemen zu kämpfen hatte.

Angeklagte weist Verantwortung zurück

Die ehemalige Heimleiterin bestreitet sämtliche Vorwürfe. Sie sieht sich nicht für die Pflege verantwortlich und verweist auf ihre Funktion als Gesundheitsmanagerin.

Ihre Aufgaben hätten sich auf Verwaltung, Abrechnung und organisatorische Belange beschränkt. Eine direkte Verantwortung für die pflegerische Versorgung der Bewohner habe sie nie gehabt. Zudem sei ihr nach eigenen Angaben nie mitgeteilt worden, dass die Pflege in ihren Zuständigkeitsbereich falle.

17 Bewohner sollen Schäden erlitten haben

Laut Anklage waren insgesamt 17 Seniorinnen und Senioren von den Missständen betroffen. Die dokumentierten Folgen reichen von Druckgeschwüren und Gelenkversteifungen bis hin zu Knochenbrüchen.

Besonders erschütternd ist der Fall eines Bewohners, der mithilfe von Bettseitenteilen fixiert worden sein soll. Da er laut Anklage wiederholt versucht habe, darüberzuklettern, sei es zu mehreren Stürzen und schmerzhaften Verletzungen gekommen.

Urteil mit Signalwirkung

Der Prozess gilt als einer der aufsehenerregendsten Fälle im Bereich der Altenpflege der vergangenen Jahre. Das nun erwartete Urteil könnte weit über den konkreten Fall hinaus Bedeutung haben und erneut die Frage aufwerfen, wie Pflegeeinrichtungen kontrolliert werden und wer letztlich die Verantwortung trägt, wenn Schutzbedürftige nicht ausreichend versorgt werden.

Für die betroffenen Bewohner und ihre Angehörigen geht es dabei um mehr als eine juristische Entscheidung – für sie steht die Aufarbeitung eines Kapitels im Mittelpunkt, das tiefe Spuren hinterlassen haben soll.