„Diese Kurse sind großartig und notwendig“, betont Mansour. Sie würden Neuankömmlingen dabei helfen, sich in einer neuen Gesellschaft zurechtzufinden und grundlegende Fragen zum Zusammenleben zu klären.
Aus eigener Erfahrung weiß der Experte, wie wichtig Orientierung sein kann. Als er vor mehr als zwei Jahrzehnten nach Deutschland kam, habe es vergleichbare Angebote noch nicht gegeben. Die Unsicherheit sei damals groß gewesen, sagt er bei einem Interview in der Presse.
Viele Fragen zu Freiheit und Zusammenleben
Nach Beobachtung Mansours beschäftigen Zuwanderer häufig ähnliche Themen. Sie möchten verstehen, welche Erwartungen die Mehrheitsgesellschaft an sie hat und welche Regeln für das Zusammenleben gelten.
Besonders oft gehe es um Fragen zu Sexualität, Religionsfreiheit, Gleichberechtigung und Antisemitismus. Gerade bei diesen Themen seien offene Diskussionen notwendig.
Mansour schildert, dass Teilnehmer antisemitische Aussagen gelegentlich mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit rechtfertigen würden. Andere gingen davon aus, dass Religionsfreiheit jede religiöse Praxis automatisch legitimiere. Genau hier müsse Aufklärungsarbeit geleistet werden.
Religionsfreiheit hat Grenzen
Ein besonderes Anliegen ist Mansour die Debatte über den Stellenwert von Religion in staatlichen Einrichtungen. Nach seiner Ansicht werde Religionsfreiheit häufig missverstanden.
„Die Religionsfreiheit ist keine Einbahnstraße“, erklärt er. Sie schütze zwar die Ausübung des Glaubens, bedeute aber nicht, dass jede religiös begründete Forderung automatisch akzeptiert werden müsse.
In diesem Zusammenhang spricht sich Mansour klar für das österreichische Kopftuchverbot für Mädchen unter 14 Jahren aus. Die Verpflichtung zum Tragen eines Kopftuchs bei Kindern sei theologisch nicht zwingend begründet.
Kritik am Kinderkopftuch
Der Psychologe argumentiert dabei nicht nur religiös, sondern auch entwicklungspsychologisch. Kinder würden durch ein verpflichtendes Kopftuch bereits in jungen Jahren ein problematisches Verhältnis zum eigenen Körper entwickeln.
Aus seiner Sicht werde Mädchen damit früh vermittelt, dass ihr Körper verborgen werden müsse. Diese Botschaft könne langfristige Auswirkungen auf Selbstbild und Persönlichkeitsentwicklung haben.
Daher hofft Mansour, dass auch die Gerichte die Schutzfunktion des Gesetzes entsprechend bewerten.
Debatte über Religion an Schulen gefordert
Grundsätzlich fordert Mansour eine breitere gesellschaftliche Diskussion darüber, wie viel Religion in staatlichen Schulen Platz haben soll.
Die Integrationspolitik dürfe sich nicht darauf beschränken, Konflikte zu verwalten. Vielmehr müsse offen darüber gesprochen werden, wo die Grenzen religiöser Einflussnahme verlaufen und welche Werte in öffentlichen Bildungseinrichtungen gelten sollen.
Dabei gehe es nicht um die Einschränkung von Glaubensfreiheit, sondern um die Sicherung gemeinsamer demokratischer Grundprinzipien.
Scharfe Kritik an Wien
Besonders kritisch äußert sich Mansour über die Integrationspolitik der Bundeshauptstadt. „Von der Stadt Wien halte ich gar nichts“, sagt er deutlich.
Seiner Ansicht nach würden Probleme rund um Parallelgesellschaften, religiösen Extremismus oder Integrationsdefizite von Teilen der politischen Verantwortlichen oft nicht ausreichend angesprochen.
Vor allem „linke Akteure“ würden bei bestimmten Themen reflexartig abblocken, anstatt sich den Herausforderungen offen zu stellen. Dadurch werde eine notwendige Debatte erschwert. Für Mansour steht fest: Erfolgreiche Integration kann nur gelingen, wenn Probleme klar benannt werden. Beschönigungen oder ideologische Scheuklappen würden weder den Zuwanderern noch der Aufnahmegesellschaft helfen.
Wertekurse, Bildung und gesellschaftlicher Dialog seien wichtige Werkzeuge. Gleichzeitig brauche es aber auch den Mut, über schwierige Themen wie Antisemitismus, Frauenrechte, religiösen Fundamentalismus und Parallelgesellschaften offen zu sprechen.
Nur wenn Erwartungen, Rechte und Pflichten klar formuliert werden, könne Integration langfristig gelingen.

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