Der Fall sorgt in Wien für Aufsehen und wirft viele Fragen auf. Die Ermittlungen der Polizei zufolge begann die Begegnung am Montag gegen 4.45 Uhr am Schwedenplatz. Die Jugendliche wartete dort auf einen Nachtbus. Weil der Akku ihres Handys leer gewesen sei, habe sie weder ihre Familie kontaktieren noch ein Taxi rufen können.
In diesem Moment soll ein dunkler BMW angehalten haben. Der Fahrer – ein 21-jähriger Syrer – habe angegeben, mit seinem Bruder telefonieren zu wollen, und der Jugendlichen angeboten, sie nach Hause zu bringen.
Die 16-Jährige soll zunächst keinen Verdacht geschöpft haben und in das Fahrzeug eingestiegen sein, berichtet die Heute.
Fahrt in die Lobau statt nach Hause
Nach den bisherigen Ermittlungen fuhr der Mann zunächst tatsächlich in Richtung der Wohnadresse der Jugendlichen. Im Bereich des Ölhafens Lobau in Wien-Donaustadt soll sich die Situation jedoch verändert haben.
Laut Polizei änderte der Fahrer plötzlich die Richtung und bog von der ursprünglichen Strecke ab. Dort soll es anschließend zur mutmaßlichen Vergewaltigung gekommen sein. Danach habe der Mann die Jugendliche nach Hause gebracht.
Verdächtiger spricht von einvernehmlichem Sex
Der 21-Jährige bestreitet die Tat. Bei seiner rund zehnstündigen Einvernahme im Beisein seines Anwalts Raimund Schüller soll er angegeben haben, dass es sich um einvernehmlichen Geschlechtsverkehr gehandelt habe.
Seine Darstellung unterscheidet sich damit grundlegend von den Vorwürfen der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft geht hingegen von einem schweren Sexualdelikt aus. Den entscheidenden Hinweis für die Ermittler sollen Videoaufzeichnungen geliefert haben. Dadurch konnten laut Polizei sowohl der dunkle BMW als auch der mutmaßliche Fahrer identifiziert werden.
Nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Wien wurde der Mann festgenommen. Das Landesgericht Wien verhängte anschließend wegen Tatbegehungsgefahr Untersuchungshaft.
Vorbelastung durch früheres Verfahren
Der Fall sorgt auch deshalb für besondere Aufmerksamkeit, weil der 21-Jährige bereits in einem früheren Verfahren wegen Vergewaltigung verurteilt worden sein soll.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Ermittlungen wurde der Syrer im Dezember am Landesgericht Wiener Neustadt zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Gegen dieses Urteil legte er jedoch Rechtsmittel ein.
Der Oberste Gerichtshof wies die Nichtigkeitsbeschwerde vor einigen Wochen ab. Damit wäre der Strafantritt bevorgestanden. Weil der Mann den Behörden zugesichert habe, der Aufforderung Folge zu leisten, blieb er zunächst auf freiem Fuß.
Nun steht der 21-Jährige erneut im Mittelpunkt eines schweren Strafverfahrens. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei setzen ihre Ermittlungen fort.
Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung. Der Verdächtige bleibt bei seiner Darstellung: Die Begegnung sei freiwillig und einvernehmlich gewesen.

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