Es ist der nächste Baustein: Nachdem die Regierung die ersten beiden Säulen des Pensionssystems umgebaut hat, nimmt die ÖVP nun die dritte ins Visier. Finanz-Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl (ÖVP) will die private Altersvorsorge steuerlich begünstigen – für sie „der nächste logische Schritt” nach den Reformen bei gesetzlicher und betrieblicher Pension.
Konkret schweben der Wirtschaftsbund-Vertreterin Steuerbegünstigungen, eine Behaltefrist oder Ähnliches vor. Festlegen will sie sich noch nicht – die Stoßrichtung aber schon: Noch in dieser Legislaturperiode soll die private Vorsorge attraktiver werden. Der Blick geht dabei ins Ausland. Eibinger-Miedl verweist auf die Nachbarländer Slowenien, Deutschland, Ungarn und Tschechien, wo es solche Begünstigungen bereits gebe.
rst die Aktivpension, dann die Betriebspension – jetzt die private Vorsorge
Die Reihenfolge hat System. Bei der ersten Säule beschloss die Regierung die sogenannte Aktivpension: Ab 2027 bleiben bis zu 15.000 Euro Zuverdienst pro Jahr steuerfrei, wer nach dem Regelpensionsalter weiterarbeitet, spart sich zudem den Dienstnehmerbeitrag zur Pensionsversicherung. exxpress berichtete. Bei der zweiten Säule, der Betriebspension, brachte die Koalition erst am 9. Juli die Novelle in die Zielgerade – künftig soll die betriebliche Vorsorge nicht mehr nur jenen rund 25 Prozent der Arbeitnehmer offenstehen, deren Firmen bereits in Pensionskassen einzahlen.
Was bisher fehlte: die dritte Säule. Und genau hier hakt Eibinger-Miedl nun ein. Dass es innerhalb der Koalition unterschiedliche Zugänge der Parteien gibt, räumt sie offen ein.
Kapitalmarkt und Versicherer forderten das längst
Neu ist der Ruf nach einer stärkeren dritten Säule nicht – im Gegenteil. Kaum war im April die Betriebspension beschlossen, drängte Paul Severin von der Österreichischen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (ÖVFA) auf den nächsten Schritt: „Jetzt braucht es rasch attraktive Rahmenbedingungen für die private Eigenvorsorge” – konkret ein steuerfreies Vorsorgedepot und klare Anreize für bestehende Vorsorgeprodukte. Genau das, was Eibinger-Miedl jetzt andeutet.
Beim „Vorsorge-Dialog 2026″ in der Wiener Börse wurde die Kritik konkreter. VÖIG-Präsident Heinz Bednar brachte das Grundproblem auf den Punkt: „Österreich scheitert nicht am fehlenden Vorsorgewillen der Menschen, sondern an den Rahmenbedingungen.” Wer private Vorsorge breiter verankern wolle, müsse sie einfach, kostengünstig, steuerlich attraktiv und kapitalmarktnah gestalten. Als Vorbild dient dabei immer wieder Deutschland, wo ab 2027 ein staatlich gefördertes Vorsorgedepot für Fonds- und ETF-Investments eingeführt werden soll.
Wie schief die Statik des österreichischen Pensionssystems ist, zeigt eine Zahl aus derselben Runde: Rund 82 Prozent der Alterseinkommen in Österreich stammen aus öffentlichen Transfers – der OECD-Durchschnitt liegt bei rund 57 Prozent.
Auch die Versicherungswirtschaft macht seit Monaten Druck
Schon im November hatte die Branche bei einem Round Table Klartext gesprochen. Markus Zahrnhofer, Chef der Merkur Lebensversicherung, verlangte einen Schulterschluss zwischen öffentlicher Hand und Versicherungswirtschaft: Die Branche sei bereit und habe Lösungen parat – doch die Politik müsse den Stein ins Rollen bringen. Christian Nuschele von Standard Life nannte die staatliche Pension „maximal eine Grundsicherung” und forderte angesichts des demografischen Wandels „mehr Ehrlichkeit von Seiten der Politik”.
Der Knackpunkt: der Koalitionspartner
Ob aus dem Vorstoß mehr wird als eine Absichtserklärung, ist offen – und hängt am roten Partner. Schon beim Betriebspensions-Beschluss im April hatte Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) klargestellt, dass die private dritte Säule eine optionale bleibe. Für die SPÖ ist und bleibt die gesetzliche Pension das Fundament. Genau diesen koalitionsinternen Dissens bestätigt Eibinger-Miedl mit ihrem Hinweis auf die unterschiedlichen Zugänge selbst. Severin von der ÖVFA fasste das Dilemma bereits vor Monaten trocken zusammen: Österreich habe kein Erkenntnisproblem, sondern ein Umsetzungsproblem.

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