In München zeigen die Grünen gerade, welchen Gefahren sich eine Bevölkerung aussetzt, die sie an die Macht wählt. Oberbürgermeister Dominik Krause hat dort einen Ausnahmezustand ausgerufen, den er mit angeblicher Wasserknappheit begründet. Die Lokalmedien sprechen bereits von einer „Wassernot“ und bringen Verständnis dafür auf, dass Münchner Trinkbrunnen zugenagelt werden und drakonische Geldstrafen drohen, wenn man gegen Anordnungen des Oberbürgermeisters verstößt, etwa gegen das Verbot, Rasenflächen tagsüber zu bewässern oder den Swimmingpool mit Wasser zu füllen.
Was meint „durchschnittliche Fördermenge der letzten Jahre“?
Wer Zehntausende Euros Strafe androht, sollte sich seiner Sache besser sicher sein. Er sollte Daten nennen und veröffentlichen können, die belegen, dass die Wasserkrise existiert und nicht frei erfunden ist. Hier beginnen die Probleme. Laut Stadtregierung fallen die geförderten Wassermengen historisch niedrig aus. Sie sollen nur „60 bis 70 Prozent“ dessen betragen, was üblicherweise aus den Quellen sprudelt.
Wie kommt die Stadt zu diesem Schluss? Indem sie aktuelle Messwerte mit einem Durchschnitt vergleicht. „Unsere Quellen liefern deutlich weniger Wasser“, das zeige die „aktuelle Förderung im Vergleich zum langjährigen Mittelwert, in Litern pro Sekunde“, so der Oberbürgermeister auf Instagram. Noch weniger Daten enthält die Pressemitteilung der Stadtwerke München, die lediglich anführt: „Der Durchschnittsverbrauch liegt normalerweise bei etwa 300 Millionen Litern Wasser pro Tag“, während „der Verbrauch zuletzt wieder auf über 360 Millionen Liter pro Tag“ angestiegen sei. Die Differenz von 60 Millionen Litern, so wird ohne Nennung weiterer Zahlen impliziert, sei aus den Grundwasserbeständen nicht zu decken.
Doch daran gibt es erhebliche Zweifel. Zum einen ist München ein regelrechtes Wasserparadies. Das Lebenselixier fließt der Stadt aus den Alpen auf schier unbegrenzte Weise aus seinen Gewinnungsgebieten entgegen. „Die Wasservorkommen dort sind sehr ergiebig, ja praktisch unerschöpflich“, informierte die Stadt bis vor Kurzem noch ihre Bürger. Inzwischen ist diese korrekte Aussage von der Website verschwunden, da sie „missverstanden“ werden könne, wie NIUS auf Anfrage erfuhr.
Zum anderen ist bis zum Beweis des Gegenteils durch die Veröffentlichung der zugrunde liegenden Einzelwerte zu vermuten, dass der angeblich außergewöhnliche Tiefstand auf einem methodisch unzulässigen Schluss beruht, der es erlaubt, aus jeder Datenlage einen Notstand zu konstruieren. Den historischen Tiefstand leitet der Oberbürgermeister daraus ab, einen Durchschnittswert, bei dem zunächst völlig unklar geblieben war, auf welche Zeitspanne er sich bezieht, mit dem aktuellen Wert zu vergleichen. Weil NIUS nachhakte, ist der Bezugszeitraum nun immerhin bekannt.
Intransparenz bei entscheidenden Daten
Laut ihrer Antwort auf die NIUS-Anfrage vergleichen die Münchner Stadtwerke die Wassermenge, die im Juni 2026 aus den Quellen floss, mit dem durchschnittlichen Juni-Wert der Jahre 2001 bis 2025: „Die aktuelle Schüttung der Freispiegelwerke im Mangfalltal beträgt für den Monat Juni 2026 rund 2.200 l/s gegenüber einem langjährigen Mittelwert für Juni (2001 bis 2025) von rund 3.380 l/s. Dies entspricht etwa 65 %. Alle Werte sind gerundet.“
Einen historischen Tiefstand belegt dieser Vergleich jedoch nicht. Ein Mittelwert lässt nicht erkennen, ob einzelne Juni-Werte seit 2001 ähnlich niedrig oder sogar noch niedriger ausfielen. Besonders ergiebige Jahre können den Durchschnitt nach oben ziehen und dadurch auch einen keineswegs einmaligen Wert außergewöhnlich niedrig erscheinen lassen. Obwohl NIUS ausdrücklich um die konkreten Vergleichswerte der vergangenen Jahre gebeten hatte, übermittelten die Stadtwerke lediglich den daraus errechneten Durchschnitt.
Ob die Quellen gegenwärtig tatsächlich so wenig Wasser liefern wie nie zuvor, bleibt damit weiterhin unbelegt.
Fazit: Wer mit einer angeblichen Wasserkrise tief in den Alltag der Bürger eingreift und Zehntausende Euro Strafe androht, muss belastbare Belege vorlegen. Solange die Stadtwerke die zugrunde liegende Messreihe nicht veröffentlichen, bleibt die Behauptung einer historisch außergewöhnlichen „Wassernot“ eine nicht überprüfbare politische Behauptung.
Dieser Beitrag ist ursprünglich auf unserem Partner-Portal NiUS erschienen.

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