„Ich fiel Mobbing zum Opfer“, sagt die zweifache Mutter und kann die Entscheidung bis heute nicht nachvollziehen. Stanojevic war vor ihrer Lehrtätigkeit in der Beauty-Branche erfolgreich. Sie arbeitete als Kosmetikerin in renommierten Häusern und leitete unter anderem den Spa-Bereich eines Tiroler Fünf-Sterne-Hotels.

Im Herbst des vergangenen Jahres entschied sie sich für einen neuen Weg und begann als Fachlehrerin für Kosmetik und Fußpflege an der Tiroler Fachberufsschule für Ernährung, Schönheit und Chemie am Lohbachufer in Innsbruck zu unterrichten.

Mit modernen Unterrichtsmethoden wollte sie ihre Erfahrungen aus der Praxis an die Schülerinnen weitergeben – und stieß damit offenbar nicht überall auf Zustimmung, wie die Krone berichtet.

Kritik an ihrem Aussehen und Social-Media-Auftritten

Nach Angaben der Lehrerin geriet sie wegen ihres Erscheinungsbildes ins Visier einzelner Kolleginnen. Besonders ihre aufgespritzten Lippen seien Thema von Gesprächen gewesen.

„Meine Lippen seien zu sexualisiert“, sei ihr zugetragen worden, berichtet Stanojevic.

Eine Kollegin habe sich schließlich beim Innungsmeister über sie beschwert und Zweifel geäußert, ob sie für den Lehrerberuf geeignet sei. Auch Screenshots ihres Instagram-Profils sowie TikTok-Videos, die sie gemeinsam mit Schülerinnen erstellt hatte, seien an Verantwortliche weitergeleitet worden. Für zusätzliche Aufregung sorgte ein privates Foto, das Stanojevic am Arzler Schießstand zeigte. Ein Screenshot davon landete bei der Bildungsdirektion, anschließend wurde Anzeige wegen angeblich unbefugten Führens einer Schusswaffe erstattet.

Das Verfahren wurde jedoch eingestellt, betont die Lehrerin.

Trotzdem habe das Bild bei einer Kollegin für Verunsicherung gesorgt. Diese habe sich nach eigenen Angaben bedroht gefühlt und sogar Personenschutz gefordert.

Schulinspektor stellt Lehrerin gutes Zeugnis aus

Die Bildungsdirektion reagierte schließlich und ließ die Unterrichtsarbeit von Stanojevic überprüfen. Ein Schulinspektor besuchte ihre Klasse – mit positivem Ergebnis.

Auch der Schuldirektor stellte sich hinter die Lehrerin und bewertete ihre Arbeit offenbar ebenfalls positiv.

Besonders viel Rückhalt erhielt Stanojevic von ihren Schülerinnen. In zahlreichen Briefen lobten diese ihre fachliche Kompetenz, ihre menschliche Art und ihre modernen Unterrichtsmethoden.

Auch mehrere Betriebe sowie eine frühere Lehrerin, die als Model für den Unterricht zur Verfügung stand, unterstützten die Pädagogin.

Trotz der positiven Rückmeldungen entschied die Tiroler Bildungsdirektion, den Vertrag der Lehrerin nicht zu verlängern.

Am Freitag ist nun ihr letzter Arbeitstag.

Stanojevic hat sich inzwischen an Bildungsminister gewandt und hofft auf eine Klärung der Situation.

Der Fall sorgt inzwischen über die Schule hinaus für Diskussionen: Darf das persönliche Erscheinungsbild einer Lehrkraft eine Rolle spielen – oder zählt am Ende ausschließlich die Qualität des Unterrichts? Diese Frage steht nun im Mittelpunkt der Debatte.