Lange galt die ÖVP als Verfechterin des von der Wehrdienstkommission empfohlenen Modells „Österreich plus“, das eine Verlängerung des Grundwehrdienstes auf acht Monate sowie verpflichtende Milizübungen vorsieht, berichtet der ORF.
Nun bringt der Bundeskanzler jedoch ein alternatives 6+3-Modell ins Spiel: Sechs Monate Grundwehrdienst sollen durch drei Monate Milizübungen ergänzt werden. Gegenüber mehreren Tageszeitungen machte Stocker deutlich, dass es nicht um symbolische Zahlen gehe.
„Ob es sechs plus drei oder sechs plus 100 ist, ist letztlich eine semantische Frage. Drei Monate sind eben rund 100 Tage.“
SPÖ fühlt sich bestätigt
Die SPÖ reagierte prompt erfreut. Schließlich hatte sie zuletzt selbst ein 6+2-Modell vorgeschlagen und sieht ihre Linie nun als Grundlage eines möglichen Kompromisses.
Auch beim Zivildienst zeichnet sich Bewegung ab. Stocker sprach sich dafür aus, diesen auf zwölf Monate zu verlängern, um das Gleichgewicht zwischen Wehr- und Zivildienst zu erhalten.
Eine endgültige Einigung will der Bundeskanzler noch im Laufe des Sommers erreichen. Sollte die Koalition scheitern, stellt er weiterhin eine Volksbefragung in Aussicht.
Das steckt hinter dem 6+3-Modell
Das nun diskutierte Modell stammt ebenfalls aus dem Bericht der Wehrdienstkommission. Es sieht vor:
- sechs Monate Grundwehrdienst,
- innerhalb von 18 Monaten eine zweimonatige geblockte Truppenübung,
- anschließend weitere Milizübungen im Ausmaß von insgesamt 40 Tagen.
Damit soll die Einsatzbereitschaft des Bundesheeres verbessert werden, ohne den Grundwehrdienst sofort auf acht Monate zu verlängern.
NEOS schweigen – Opposition bleibt kritisch
Während die SPÖ den Vorstoß begrüßt, wollen sich die NEOS derzeit nicht festlegen und verweisen lediglich auf die laufenden Koalitionsverhandlungen.
Die Opposition bleibt hingegen bei ihren bisherigen Positionen:
- Die FPÖ fordert weiterhin die vollständige Umsetzung des Expertenmodells mit acht Monaten Grundwehrdienst plus zwei Monaten Übungen.
- Die Grünen kritisieren, dass bisher kaum über die grundsätzliche Ausrichtung des Wehrsystems diskutiert werde. Statt einer inhaltlichen Debatte werde seit Monaten lediglich über unterschiedliche Modelle und Zahlenkombinationen verhandelt.
Entscheidung rückt näher
Nach Monaten des Stillstands scheint erstmals ein Kompromiss greifbar. Ob sich ÖVP, SPÖ und NEOS tatsächlich auf ein gemeinsames Modell einigen können, dürfte sich noch in diesem Sommer entscheiden. Klar ist: Die Reform des Wehrdienstes entwickelt sich zunehmend zu einer der wichtigsten Bewährungsproben für die Dreierkoalition.

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