Wie der Münchner Merkur berichtete, wurden die Strukturen aus menschlichen Stammzellen gewonnen – nicht durch Befruchtung, sondern durch biochemische Reprogrammierung, bei der sich Stammzellen spontan zu embryoähnlichen Gebilden organisieren. In der Wissenschaft werden sie als „Embryoide” oder „synthetische Embryomodelle” bezeichnet. Yu betont ausdrücklich: „Das sind keine echten menschlichen Embryonen und sie haben nicht die Fähigkeit, sich in ein Individuum zu entwickeln.”

Jede Struktur befand sich in einer eigenen kleinen Kammer, um gegenseitige Beeinflussung auszuschließen. Die Herstellung erfolgte in der Nacht vor dem Start – zwölf Stunden vor dem Abheben wurden die Proben zum Startturm gebracht. An Bord durchliefen sie unter Aufsicht der Astronauten einen fünftägigen Entwicklungsprozess, bevor sie eingefroren und zur Analyse auf die Erde zurückgebracht wurden. Parallel liefen auf der Erde identische Experimente als Kontrollgruppe.

Die „Black Box" der Entwicklung

Im Fokus steht ein bislang kaum erforschter Zeitraum: Tag 14 bis 21 nach der Befruchtung – jene Phase, in der die Bildung sämtlicher menschlicher Organe beginnt. Wissenschaftler bezeichnen diesen Abschnitt als „Black Box”. Internationale Vereinbarungen erlaubten die Kultivierung menschlicher Embryonen im Labor bis 2021 nur bis zu 14 Tagen. Erst dann lockerte die International Society for Stem Cell Research diese Grenze – unter verschärften Ethik-Auflagen.

Das Experiment untersucht zwei Modelle: Eines simuliert die Einnistung in die Gebärmutter, das andere den Fortschritt durch zwei frühe Entwicklungsstadien. Das zentrale Ziel ist es, den Einfluss von Schwerelosigkeit und kosmischer Strahlung auf die frühe menschliche Entwicklung zu verstehen. „Sobald wir den Einfluss dieser Kraft auf Embryonen verstanden haben, könnten Wissenschaftler Interventionen entwickeln, um ihre Wirkung zu kontrollieren”, so Yu.

Ethische Einwürfe

Das Experiment bewegt sich in einem ethisch sensiblen Bereich. Zwar betonen die Forscher, dass die Strukturen sich nicht zu einem Menschen entwickeln können – dennoch wirft die Forschung an menschlichem Zellmaterial im Weltraum grundsätzliche Fragen auf, die über die Wissenschaft hinausgehen.

Bislang hat sich die katholische Kirche zu dem Experiment nicht geäußert – doch das vatikanische Dokument Dignitas Personae von 2008 könnte relevant werden. Darin weitete der Vatikan seinen Schutzanspruch auf „embryoähnliche Entitäten” aus biotechnologischen Verfahren aus – eine Formulierung, unter die synthetische Stammzellstrukturen fallen könnten. Ob das tatsächlich so zu interpretieren ist, bleibt theologisch offen.

Sollte die Kirche das bejahen, geriete sie in einen grundsätzlichen Konflikt mit der Raumfahrtforschung. Ein 2025 erschienener Fachartikel in Frontiers in Space Technologies hielt fest, dass Biotechnologien wie synthetische Embryomodelle für eine dauerhafte menschliche Präsenz im All wissenschaftlich unverzichtbar sind – die Kirche jedoch genau solche Verfahren ablehnen könnte. Die Autoren zogen daraus den Schluss: Bleibt diese Ablehnung bestehen, könnte eine dauerhafte Besiedlung des Weltalls aus streng katholischer Sicht kaum zu rechtfertigen sein.