Ein international agierender Drogenring soll über Jahre hinweg Suchtmittel aus den Niederlanden nach Österreich geschmuggelt und von dort aus weltweit weiterverteilt haben. In Österreich wurden vier Beschuldigte festgenommen, auch in anderen Ländern gab es Zugriffe. Insgesamt wurden Drogen im Straßenverkaufswert von rund sechs Millionen Euro sichergestellt. Nachgewiesen sind Dutzende Paketsendungen, die von Österreich aus rund um den Globus gingen.
"Kopf" der Gruppierung in den Niederlanden festgenommen
Ein 35-jähriger Niederländer soll den internationalen Suchtmittelschmuggel organisiert haben. Er wurde in seiner Wohnung in Amsterdam festgenommen und mittlerweile nach Österreich ausgeliefert, wie Stefan Pfandler, Leiter des Landeskriminalamts Niederösterreich, bei der Pressekonferenz in St. Pölten berichtete. Vier weitere Festnahmen erfolgten direkt in Österreich. Ein 26-jähriger Landsmann des Hauptbeschuldigten soll große Mengen Suchtmittel aus den Niederlanden eingeschmuggelt und die Substanzen vorwiegend aus Wien verschickt haben. Auch er wurde festgenommen. Zudem soll er mehrfach im großen Stil Kokain und MDMA an einen 38-jährigen Österreicher übergeben haben, der auf dem Flughafen Wien in Schwechat (Bezirk Bruck an der Leitha) bei seiner Einreise aus Bangkok in Gewahrsam genommen wurde. Als Aufgeber bzw. Auftraggeber für Sendungen fungierten auch ein 27-jähriger österreichischer Staatsbürger und ein 38-jähriger Niederländer, die ebenfalls festgenommen wurden.
Der 27-jährige Österreicher und der 38-jährige Niederländer haben ihre Haftstrafen bereits verbüßt, sagte Pfandler. Auf die drei weiteren im Jahr 2025 festgenommenen Beschuldigten – unter ihnen auch der 35-jährige Niederländer als „Kopf” der Gruppierung – wartet am Donnerstag der Prozess wegen Suchtgifthandels am Landesgericht Wien.
Zugriffe auch in weiteren Ländern
Es gab generell Zugriffe der Polizei in mehreren Staaten. In ihren jeweiligen Heimatländern wurden eine 27-jährige Britin und ein 24-jähriger Niederländer in Gewahrsam genommen. In den USA wurde zudem ein 32-jähriger Venezolaner verhaftet, der zu neun Jahren Haft verurteilt wurde.
In Österreich wurden rund 65 Kilogramm Ketamin, sechs Kilogramm Kokain, fast 14 Kilogramm MDMA sowie 712 Gramm 2C-B sichergestellt. Weltweit waren es 95,3 Kilogramm Ketamin, 9,2 Kilogramm Kokain, 16,4 Kilogramm MDMA und 1,5 Kilogramm 2C-B. Die sichergestellten Suchtmittel haben einen durchschnittlichen Straßenverkaufswert von rund sechs Millionen Euro. Aufgrund des hohen Reinheitsgehalts der Drogen ist jedoch davon auszugehen, dass diese vor dem Weiterverkauf gestreckt worden wären. Der Verkaufserlös hätte so noch um ein Vielfaches erhöht werden können, so die Polizei.
Auch anhängige Verfahren in anderen Ländern
Der Gruppierung konnten auch zahlreiche weitere Paketsendungen aus Österreich nachgewiesen werden, die nicht sichergestellt werden konnten. Auch hierbei dürfte es sich um mehrere hundert Kilogramm Drogen handeln. Gegen einen Teil der Beschuldigten sind in der Schweiz, Belgien, Tschechien, Luxemburg und Dänemark außerdem Verfahren wegen Suchtmittelschmuggels anhängig. Hier soll die Vorgehensweise ähnlich gewesen sein.
„Den Ermittlern des Bundeskriminalamtes und des Landeskriminalamts Niederösterreich ist einmal mehr ein wichtiger Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen”, sagte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). „Das Ziel dabei ist klar: Der Schutz von jungen Menschen vor Suchtmitteln und deren verheerenden Folgen.”
Landespolizeidirektor Franz Popp sah angesichts der Klärungen einen „sehr erfreulichen Tag”. Effektive Ermittlungen und internationale Zusammenarbeit seien in solchen Fällen „von größter Bedeutung”. Felix Gasterstädt vom Bundeskriminalamt stieß in ein ähnliches Horn und verwies auf immer professioneller und arbeitsteiliger agierende internationale Tätergruppierungen.

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