Neue Wendung in der Causa rund um den zurückgetretenen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann: Das Landeskriminalamt hat einem Bericht der “Kronen Zeitung” zufolge ein romantisches Lokal am Wiener Stadtrand aufgesucht – und dort den Wirt einvernommen. Die Beamten wollten klären, ob ein Treffen, das Weißmann als einvernehmlich geschildert hatte, tatsächlich stattgefunden hat.

Im Zentrum der Ermittlungen steht mittlerweile jene ORF-Mitarbeiterin, deren Vorwürfe der sexuellen Belästigung Weißmann letztlich das Amt kosteten. Gegen die Frau und ihren Anwalt wird inzwischen wegen Verdachts der Erpressung ermittelt. Es gilt die Unschuldsvermutung. Zwei Mobiltelefone der Frau haben die Ermittler bereits sichergestellt, um die gespeicherten Nachrichten auszuwerten.

Wirt erinnert sich noch genau

Der Gastwirt konnte sich laut “Krone” noch gut an den Besuch im Oktober 2022 erinnern. Demnach hatte sich die ORF-Mitarbeiterin zuvor für einen Nebenjob in dem Restaurant interessiert – und laut einem Amtsvermerk “glaublich in einem solchen Telefonat nebenbei anmerkt, dass sie mit dem Generaldirektor vom ORF vorbeikommen könnte”.
Genau dazu kam es dann auch. Auf Einladung der Frau setzte sich der Wirt sogar eine Zeit lang zu den beiden. Sein Eindruck: Wie ein Liebespaar hätten die zwei zwar nicht gewirkt – die Frau habe aber “keinesfalls unglücklich oder eingeschüchtert, eher im Gegenteil” ausgesehen.

Heikles Timing

Brisant ist vor allem die zeitliche Einordnung: Das Abendessen soll laut “Krone” kurz nach der letzten Dick-Pic-Nachricht Weißmanns an die Mitarbeiterin stattgefunden haben – und weniger als drei Wochen vor jenem Gespräch, das die Frau nach eigener Darstellung “aus Angst” mitgeschnitten hatte.

Der “Falter” hatte bereits Mitte April ausführlich über den Fall berichtet und aus Chats der Jahre 2020 bis 2022 zitiert. Darin schildert die Frau ihre damalige Lage so: “Ich hatte große Angst vor dem mächtigen Mann, der mir beispielsweise im Juni 2022 deutlich machte, was er alles tun könnte. Und große Sorgen, meinen Kredit nicht bedienen zu können, wenn ich meinen Job verlieren würde.”

Wie die Ermittler die Aussage des Wirts letztlich bewerten – und ob sie Weißmanns Version stützt – bleibt vorerst offen.