Wer in Wien eine Staatsbürgerschaft beantragen oder ein Einwanderungsverfahren abwickeln möchte, kommt an der Magistratsabteilung 35 nicht vorbei. Die Behörde gilt als zentrale Anlaufstelle für Zuwanderung und Einbürgerungen. Doch die Kosten für den Betrieb steigen rasant – und haben inzwischen eine Dimension erreicht, die selbst innerhalb der Stadtverwaltung auffällt.
Für Schlagzeilen sorgte die Behörde zuletzt mit einem neuen Digitalisierungsschritt. Integrationsstadträtin und Vizebürgermeisterin Bettina Emmerling präsentierte ein neues System mit dem Kürzel SWEM – ausgeschrieben „Scannen wie ein Weltmeister“. Das Tool soll den Mitarbeitern die Arbeit erleichtern. Dokumentenstapel können gesammelt eingescannt werden, anschließend erkennt die Software die einzelnen Unterlagen automatisch, trennt sie voneinander, benennt sie und speichert sie im richtigen System ab. Laut Emmerling soll dadurch wertvolle Arbeitszeit eingespart werden, berichtet die Krone.
Fast zehn Millionen Euro zusätzlich für Personal
Ein Blick in den Rechnungsabschluss der Stadt Wien zeigt allerdings, dass die Digitalisierung nur einen kleinen Teil der Geschichte erzählt. Dort wird ausgewiesen, dass allein die personelle Aufstockung der MA 35 zu Mehrausgaben von rund 9,7 Millionen Euro geführt hat. Zusätzlich schlugen allgemeine Personalmaßnahmen wie höhere Essenszuschüsse und das Jobticket für Mitarbeiter zu Buche. Die Behörde selbst erklärt die Kostensteigerung vor allem mit dem Ausbau des Personals. In den Jahren 2024 und 2025 wurden insgesamt 105 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen.
Mehr Personal soll Wartezeiten verkürzen
Der Schwerpunkt der Aufstockung lag laut Stadt im Bereich der Inlandseinbürgerungen. Ziel war es, die teils massiv kritisierten Wartezeiten zu reduzieren. Nach Angaben der Behörde konnte die durchschnittliche Wartezeit auf einen Antragstermin auf 186 Tage gesenkt werden. Das entspricht noch immer rund einem halben Jahr, wird von der Stadt jedoch als deutliche Verbesserung gewertet. Zudem verweist die MA 35 auf die jüngsten Gehaltsabschlüsse im öffentlichen Dienst. Da diese bei der Budgetplanung noch nicht berücksichtigt gewesen seien, hätten sich die tatsächlichen Personalkosten zusätzlich erhöht.
Mehr als 76 Millionen Euro für eine einzige Magistratsabteilung
Besonders bemerkenswert sind die Gesamtausgaben der Behörde. Wie die MA 35 mitteilt, beliefen sich die Gesamtkosten im Jahr 2025 auf exakt 76,2 Millionen Euro. Damit zählt die Einwanderungs- und Staatsbürgerschaftsbehörde zu den kostenintensiven Bereichen der Wiener Verwaltung. Im selben Zeitraum wurden laut Behörde 14.445 Anträge entgegengenommen. Das entspricht einem Anstieg von knapp 57 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei den abgeschlossenen Verfahren meldet die Stadt deutliche Zuwächse. Die Zahl der erledigten Inlandseinbürgerungen sei 2025 um mehr als 63 Prozent gestiegen.
Kosten steigen weiter
Ein Ende der Ausgabensteigerungen ist derzeit nicht in Sicht. Für das Budgetjahr 2026 sind bereits mehr als 81 Millionen Euro für die MA 35 vorgesehen. Damit würden sich die Gesamtausgaben der Behörde innerhalb von nur zwei Jahren auf rund 157 Millionen Euro summieren. Die Stadt argumentiert, dass die zusätzlichen Mittel notwendig seien, um steigende Fallzahlen zu bewältigen, Verfahren zu beschleunigen und die Servicequalität zu verbessern. Fest steht: Die Einbürgerungs- und Einwanderungsbehörde bleibt nicht nur eine der wichtigsten Verwaltungsstellen Wiens, sondern auch eine der teuersten.

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