Bereits am zweiten Tag nach der Eröffnung des Eurovision Village präsentierte sich das Gelände am Montag nahezu menschenleer. Heftiger Regen und dunkle Gewitterwolken sorgten dafür, dass sich nur vereinzelte Besucher zwischen den Biertischen und Food-Ständen verloren. Selbst vor der Hauptbühne standen zeitweise kaum Zuschauer.

Dabei sollte das Eurovision Village eigentlich einer der zentralen Treffpunkte der ESC-Woche werden. Rund um das Wiener Rathaus wurden große LED-Wände, Bühnen, Merchandise-Stände und Gastronomie aufgebaut.

Wenig los am zweiten Tag der Eröffnung. Es regnete heftig.
Wenig los am zweiten Tag der Eröffnung. Es regnete heftig.
Ein paar Besucher sind trotzdem vor Ort.
Ein paar Besucher sind trotzdem vor Ort.

Am Abend schließlich geräumt

Am Abend verschlechterte sich die Situation dann weiter: Eine Unwetterwarnung hat am Montagabend für eine Räumung der Eurovision Village vor dem Wiener Rathaus gesorgt. Die Räumung aus Sicherheitsgründen erfolgte um 18.30 Uhr.

Noah Schönhart, der für die ESC-Village zuständige Sprecher der stadt wien marketing gmbh, sagte gegenüber der APA zunächst, dass es noch nicht absehbar ist, ob an diesem Montag noch einmal geöffnet werden kann. Kurz danach hieß es, dass das Village für den restlichen Tag geschlossen bleibt.

Alle für heute noch geplanten Programmpunkte entfielen daher. Der Normalbetrieb hätte heute um Mitternacht geendet. Schönhart ersuchte Personen, die trotz der unwirtlichen Wetterverhältnisse die ESC-Village besuchen wollen, dies zu unterlassen.

Auch Hotels bleiben hinter Erwartungen zurück

Dazu kommt offenbar, dass auch der große Besucheransturm insgesamt hinter den Erwartungen zurückbleibt. Wie Heute berichtet, blickt die Wiener Hotellerie überraschend ernüchtert auf die ESC-Woche. Trotz des internationalen Großevents liegt die Auslastung laut Wien Tourismus derzeit lediglich bei rund 70 Prozent. Offiziell spricht man zwar von einer „stabilen Auslastung“, hinter den Kulissen wird die Situation jedoch deutlich nüchterner bewertet.

Experten sprechen von Fehlkalkulation

Hotelmarktexperte Martin Schaffer erklärte gegenüber der Krone, dass der Eurovision Song Contest bislang keine außergewöhnlichen Effekte für die Branche gebracht habe. Ein Grund dafür sei, dass das traditionell starke Christi-Himmelfahrt-Wochenende heuer teilweise vom ESC überschattet werde. Viele Reisende ohne ESC-Bezug würden deshalb auf andere Termine ausweichen.

Hinzu komme laut Schaffer, dass sich viele Hotels und Vermieter nach Bekanntwerden des ESC-Standortes Wien offenbar „verkalkuliert“ hätten. Zahlreiche Betriebe hätten ihre Preise deutlich angehoben oder strengere Mindestaufenthalte und Stornobedingungen eingeführt. Das habe sich nun als Nachteil erwiesen. Das ESC-Publikum sei deutlich preissensibler als erwartet.

Außerdem sei die Wiener Stadthalle als Austragungsort in ihrer Kapazität begrenzt. Dadurch würden insgesamt weniger internationale Gäste nach Wien kommen, als manche in der Branche ursprünglich angenommen hatten.

Hotelketten bleiben dennoch optimistisch

Etwas optimistischer äußern sich einzelne Hotelketten. Die Schani Hotels sprechen laut Heute grundsätzlich von einer guten Buchungslage, auch wenn man sich im Vorfeld mehr erwartet habe. Auch bei B&B Hotels sei die Nachfrage erfreulich, freie Zimmer gebe es aber weiterhin ausreichend.