Wie die Nachrichtenagentur Nikkei berichtet, plant die japanische Regierung noch in diesem Sommer eine hochrangige Delegation nach Grönland zu entsenden. Teilnehmen sollen Vertreter des Wirtschaftsministeriums, führender Handelshäuser sowie Experten der japanischen Organisation für Metalle und Energiesicherheit.

Im Mittelpunkt der Gespräche mit der grönländischen Regierung steht die Frage, ob eine zukünftige Zusammenarbeit beim Abbau kritischer Rohstoffe möglich ist. Die autonome Insel gehört politisch zum Königreich Dänemark und verfügt über umfangreiche, bislang weitgehend unerschlossene Rohstoffvorkommen.

Für das rohstoffarme Japan hat die Suche nach alternativen Bezugsquellen hohe Priorität. Die Versorgung mit strategisch wichtigen Metallen gilt inzwischen als zentrale Voraussetzung für die industrielle Wettbewerbsfähigkeit und technologische Souveränität.

Warum Seltene Erden so begehrt sind

Bei Seltenen Erden handelt es sich um eine Gruppe von 17 Metallen, die in zahlreichen Schlüsselindustrien benötigt werden. Sie finden unter anderem in Elektroautos, Windkraftanlagen, Halbleitern, Smartphones, Hochleistungsmagneten sowie militärischen Anwendungen Anwendung.

Entsprechend intensiv bemühen sich Staaten weltweit darum, ihre Lieferketten abzusichern und neue Förderquellen zu erschließen.

Insel zwischen Rohstoffreichtum und Weltpolitik

Die arktische Insel steht nicht nur wegen ihrer Bodenschätze im Fokus. Auch ihre strategische Lage zwischen Nordamerika und Europa macht sie für zahlreiche Staaten interessant.

Für internationale Schlagzeilen sorgte zuletzt US-Präsident Donald Trump, der Anfang des Jahres öffentlich Interesse an einem Erwerb Grönlands signalisiert hatte. Die Äußerungen lösten erhebliche Irritationen bei europäischen NATO-Partnern aus.

Der Westen sucht Alternativen zu China

Hinter den Aktivitäten Japans steht vor allem ein Ziel: die Verringerung der Abhängigkeit von China. Die Volksrepublik dominiert den globalen Markt für Seltene Erden seit Jahren nahezu vollständig.

Rund 70 Prozent der weltweiten Förderung entfallen auf China. Noch größer ist die Dominanz bei der Weiterverarbeitung: Schätzungen zufolge werden etwa 90 Prozent der weltweit genutzten Seltenen Erden in chinesischen Anlagen veredelt und für industrielle Anwendungen aufbereitet. Gleichzeitig kontrolliert die Volksrepublik zahlreiche Patente und Schlüsseltechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Auch Länder wie Österreich und Deutschland stehen vor diesem Hintergrund vor Herausforderungen. Deutschland bezieht rund zwei Drittel seiner Importe Seltener Erden direkt aus China.