Besonders gefährdet sind ältere und pflegebedürftige Menschen. Sie verspüren oft kaum Durst und müssen regelmäßig zum Trinken motiviert werden. Gerade in Einrichtungen mit ohnehin knappem Personal sei das laut Pflegekräften kaum mehr zu bewältigen. Eine Mitarbeiterin eines Pflegeheims in Niederösterreich berichtet, dass während der Hitzewelle Ende Juni rund 30 Grad in der Einrichtung herrschten. Wäre die Hitze noch länger geblieben, „möchte ich nicht wissen, wie viele Hitzetote wir gehabt hätten“, sagt sie.

Mobilisierung zusätzlicher Einsatzkräfte gefordert

Die Pflegerin vergleicht laut standard.at die Situation sogar mit einer Naturkatastrophe. Ihrer Ansicht nach hätte man – ähnlich wie bei einem Hochwasser – zusätzliche Einsatzkräfte mobilisieren müssen. Das Bundesheer hätte etwa dabei helfen können, Bewohner ohne Schluckstörungen regelmäßig mit Getränken zu versorgen.

Auch aus Spitälern kommen alarmierende Berichte. Während Intensivstationen und Operationssäle meist klimatisiert sind, herrschten auf vielen Normalstationen und sogar in den Pausenräumen des Personals Temperaturen von über 30 Grad. Unter solchen Bedingungen werde die Arbeit zunehmend zur Belastungsprobe.

Pflegeverband fordert verbindliche Regeln

Der Österreichische Gesundheits- und Krankenpflegeverband (ÖGKV) fordert deshalb gesetzlich verpflichtende Hitzeschutzmaßnahmen. Freiwillige Empfehlungen seien angesichts immer häufiger auftretender Hitzewellen nicht mehr ausreichend. Konkret verlangt der Verband verbindliche Höchsttemperaturen in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, gekühlte Rückzugsräume für Patienten und Mitarbeiter sowie bessere Schutzmaßnahmen für Beschäftigte in der mobilen Pflege. Hintergrund: Österreich verfügt zwar über einen Nationalen Hitzeschutzplan, dessen Empfehlungen sind für Länder und Träger von Einrichtungen jedoch nicht verpflichtend. Wie viel tatsächlich umgesetzt wird, entscheidet jeder Betreiber selbst.

Wiener Gesundheitsverbund entschärft Alarmstimmung

Der Wiener Gesundheitsverbund betont in einer Beantwortung einer exxpress-Anfrage hingegen, dass die Versorgung der Patienten während der Hitzewelle jederzeit sichergestellt gewesen sei. Reanimationen oder andere medizinische Notfälle, die direkt mit der Hitze in Zusammenhang gestanden wären, habe es – zumindest in den Kliniken des Gesundheitsverbundes – bis Anfang Juli nicht gegeben.

Indivudelle Maßnahmen

Besonders gefährdete Patienten würden bei hohen Temperaturen gezielt mit ausreichend Flüssigkeit versorgt und ihr Gesundheitszustand engmaschiger überwacht. Wer mit hitzebedingten Beschwerden ins Krankenhaus komme, werde in entsprechend gekühlten Bereichen behandelt.

Warum nicht jedes Krankenzimmer klimatisiert ist

Dass dennoch nicht alle Stationen über Klimaanlagen verfügen, erklärt der Wiener Gesundheitsverbund mit den besonderen Anforderungen an Krankenhäuser. Aufgrund hygienischer Vorgaben, häufig geöffneter Eingänge und der baulichen Struktur seien klassische Klimaanlagen nicht überall möglich. Klimatisierte Bereiche gebe es vor allem dort, wo sie medizinisch zwingend erforderlich sind – etwa in Operationssälen, Intensivstationen oder Laboren. Langfristig setzt der Gesundheitsverbund auf umfangreiche Modernisierungen: intelligente Beschattungssysteme, spezielle Baumaterialien, begrünte Außenbereiche zur Temperaturregulierung und nachhaltige Kühlsysteme wie Fernkälte. Das Modernisierungsprogramm der Wiener Kliniken soll schrittweise bis zum Jahr 2040 umgesetzt werden.